Empörung über Netanjahus Äußerungen zum Holocaust

Politik / 21.10.2015 • 23:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Israels Premier beschuldigt Palästinenser der Anstiftung zur „Endlösung“ der Nazis.

jerusalem. (VN) Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu löst mit seiner Äußerung, der palästinensische Großmufti Hadsch Amin al-Husseini habe Adolf Hitler 1941 zum Holocaust angestiftet, Empörung aus. Historiker stellten am Mittwoch klar, dass Hitler damals längst in mehreren Konzentrationslagern Juden ermorden ließ.

Mit seiner Äußerung wollte Netanjahu vor jüdischen Repräsentanten belegen, dass der derzeitige blutige Konflikt um den von Juden und Muslimen verehrten Tempelberg in Jerusalem viele Jahrzehnte zurückreicht. „Hitler wollte zu dem Zeitpunkt nicht die Juden vernichten, er wollte die Juden vertreiben“, sagte der Premier. „Al-Husseini ging zu Hitler und sagte: ‚Wenn du sie ausweist, kommen sie alle her. Was soll ich mit ihnen machen?‘ Er sagte: ‚Verbrenne sie.‘“

Historische Verzerrung

Holocaust-Forscher Mosche Zimmermann von der Hebräischen Uni erklärte, Netanjahus Argument mache den Regierungschef zu einem Holocaust-Leugner. Al-Husseini sei zwar ein glühender Nazi-Anhänger gewesen, laut Zimmermann habe der Großmufti aber versucht, Hitlers Unterstützung beim Kampf gegen das britische Völkerbundmandat für das damalige Palästina und gegen die ins Land kommenden jüdischen Einwanderer zu erhalten.

Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat warf Netanjahu vor, er hasse die Palästinenser so sehr, „dass er dazu bereit ist, Hitler für die Ermordung von sechs Millionen Juden freizusprechen“. Der israelische Oppositionschef Izchak Herzog hielt Netanjahu eine „gefährliche historische Verzerrung“ vor. Selbst einer von Netanjahus loyalsten Gefolgsleuten, Verteidigungsminister Mosche Jaalon, distanzierte sich von der Äußerung.

Die Aufregung um Netanjahus Holocaust-Äußerung fällt in eine Zeit anhaltender tödlicher Attentate von Palästinensern auf Israelis. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief am Dienstag Israelis und Palästinenser zu Ruhe auf. Netanjahu wollte heute, Donnerstag, mit US-Außenminister John Kerry die zu eskalieren drohende Situation in Israel besprechen.