Warum eine Pensionsreform notwendig ist

23.10.2015 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Paket von SPÖ und ÖVP für Februar angekündigt. Höheres Antrittsalter unumgänglich.

Wien. (VN) Um die Altersversorgung rankt sich der eine oder andere Mythos. Einer davon lautet, dass sich jeder halbwegs Fleißige seine eigene Pension finanziert. Doch das ist schon theoretisch kaum möglich, wie eine einfache Rechnung erahnen lässt: Wer später einmal 25 Jahre lang 1500 Euro im Monat ausbezahlt bekommen möchte, muss zunächst 45 Jahre lang 833 Euro im Monat einzahlen (Verzinsung und Wertverlust außer Acht gelassen). So etwas schaffen wohl nur ganz wenige. Zum Glück gibt es daher das Umlageverfahren: Pensionen werden immer von den jeweils berufstätigen Beitragszahlern finanziert. So geht sich die Rechnung aus. Zumindest halbwegs. Mehrere Milliarden Euro müssen bereits aus dem Steuertopf zugeschossen werden. Womit ein anderer Mythos angesprochen wäre; ihm zufolge wird die heutige Jugend nichts mehr bekommen. Auch das ist, sofern unser Wirtschaftssystem nicht zusammenbricht, falsch. Pensionen wird es auch in 40, 50 Jahren noch geben. Allerdings wird es dann notwendig sein, wesentlich mehr aus dem Steuertopf zuzuschießen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt wird dieser sogenannte Bundesbeitrag laut Expertenkommission des Sozialministeriums schon 2035 eineinhalb Mal so hoch sein wie heute und 3,9 Prozent betragen.

Auch Pflege wird teurer

Das wäre bewältigbar. Das Problem ist jedoch, dass diese Summe dann eben nicht für andere Dinge wie etwa Kinderbetreuung, Bildung oder Infrastrukturprojekte ausgegeben werden könnte; und dass man nicht vergessen darf, dass mit der Alterung insbesondere auch die Pflege und die Gesundheitsversorgung wesentlich teurer werden. Außerdem wachsen immer weniger Junge nach, die das System finanzieren müssen: Kommen heute statistisch gesehen 3,6 Unter-65-Jährige auf einen Älteren, so werden es 2035 nur noch 2,3 sein.

Reform greift nicht gleich

Will man das System in einem sinnvollen Rahmen erhalten, muss man also möglichst bald eine weitere Pensionsreform durchführen. SPÖ und ÖVP wollen bis Februar ein Paket vorlegen. Viel Zeit sollten sie jedenfalls nicht verstreichen lassen, zumal jede vernünftige Maßnahme nur längerfristig wirken kann – und eine Erhöhung bestehender Beiträge oder eine Senkung künftiger Pensionen wohl von vorne herein ausscheiden sollten: Die Steuer- und Abgabenquote ist in Österreich im internationalen Vergleich bereits rekordverdächtig hoch; und das Pensionsniveau selbst wird aufgrund vergangener Verschärfungen ohnehin schon sinken. So geht die Expertenkommission davon aus, dass die Durchschnittspension in den nächsten Jahren nur um jeweils 1,2 Prozent steigen wird; damit wird die Teuerung auf Dauer sicher nicht abgegolten werden können.

Auch Arbeitsplätze nötig

Naheliegender ist eine Erhöhung des Pensionsalters. Allerdings gibt es auch hier nur einen begrenzten, zusätzlichen Spielraum. Dass das Pensionsalter der Frauen von 2024 bis 2033 schrittweise von 60 auf 65 angehoben wird, ist in den zuvor erwähnten Prognosen nämlich schon berücksichtigt. Abgesehen davon ist die Altersarbeitslosigkeit bereits sehr hoch. Also werden SPÖ und ÖVP vor der Herausforderung stehen, einerseits die Rahmenbedingungen für die Beschäftigung Älterer zu verbessern und andererseits dafür zu sorgen, dass Männer und Frauen erst zum spätestmöglichen Zeitpunkt in Pension gehen.

Noch ist Österreich nämlich ein Land der Frühpensionisten, wie es auch die statistischen Daten zeigen: Im Schnitt setzen sich Männer heute mit 60,8 und Frauen mit 58,6 Jahren zur Ruhe. 1970 haben beide noch mindestens ein Jahr länger gearbeitet. Das ist umso schwerwiegender, als die Lebenserwartung im Vergleichszeitrum um mehr als zehn Jahre bei Frauen und mehr als zwölf Jahre bei Männern gestiegen ist – womit auch eine entsprechend längere Pensionsfinanzierung notwendig geworden ist.