Er ließ die Mauer fallen

01.11.2015 • 21:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Schabowski ist im Alter von 86 Jahren gestorben. FOTO: DPA
Schabowski ist im Alter von 86 Jahren gestorben. FOTO: DPA

Günter Schabowski ist tot. Er sorgte mit einem Nebensatz für das Ende der DDR.

Wien. Er war einer der letzten Überlebenden aus der politischen Führung der DDR. Mit einem Satz von ihm fiel das SED-System wie ein Kartenhaus zusammen. Nun ist auch Günter Schabowski tot.

Der berühmte Satz fiel beiläufig, manche dachten an einen Versprecher: Am 9. November 1989 sorgte Schabowski für die Öffnung der Grenze zwischen Ost- und Westeutschland. „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort… unverzüglich“, stotterte er auf der Pressekonferenz in Ost-Berlin auf die Frage, ab wann denn die soeben vorgestellte neue DDR-Reiseverordnung gelte, nach der künftig Reisen in den Westen erlaubt sein sollten. Der Strom an den Grenzübergängen zum Westen war danach nicht mehr aufzuhalten. „Niemand konnte sich die Konsequenz der Maueröffnung vorstellen“, sagte Schabowski später. Am Sonntag ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Trauerte der DDR nicht nach

Das frühere SED-Politbüromitglied bekannte nach der Revolution immer wieder, er trauere der DDR nicht nach. Als ihm neben dem letzten DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz vor dem Berliner Landgericht der Prozess gemacht wurde, räumte er ein, nichts könne rechtfertigen, dass auch nur ein einziger Flüchtling, „der uns den Rücken kehren wollte, dafür mit dem Leben bezahlen musste“. Das Gericht verurteilte Schabowski 1997 wegen Totschlags zu drei Jahren Haft. Die Richter urteilten, dass er zu den Verantwortlichen des menschenverachtenden Grenzregimes zwischen Ost und West gehörte.