Landesrätinnen für mehr Autonomie

01.11.2015 • 21:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bernadette Mennel, 56, ÖVP Bildungslandesrätin, Vlbg.Ich erwarte mir Mut und ein Bekenntnis zur Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Bildungsdirektionen sollten Landesschulrat und Schulabteilung unter Führung der Länder zusammenfassen.

Bernadette Mennel, 56, ÖVP

Bildungslandesrätin, Vlbg.

Ich erwarte mir Mut und ein Bekenntnis zur Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Bildungsdirektionen sollten Landesschulrat und Schulabteilung unter Führung der Länder zusammenfassen.

Bildungsreform: Kompetenzdschungel auflösen, Freiheit mit Augenmaß für Schulen.

Wien. Am 17. November wird es eine Bildungsreform aus einem Guss geben. Das kündigte die zuständige Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (53, SPÖ) an. Die Stärkung der Schulautonomie sowie die Verschlankung der Behördenstruktur werden ihr zufolge die zentralen Punkte sein. Was sich die Bildungslandesrätinnen Barbara Schwarz (56, ÖVP-Niederösterreich), Ursula Lackner (55, SPÖ-Steiermark) und Bernadette Mennel (56, ÖVP-Vorarlberg von der Reform erwarten, erklärten sie im VN-Gespräch.

Begrenzte Schulautonomie

Besonders bei der Schulautonomie sind sie sich einig. Lehrer müssten vor Ort individuell auf ihre Kinder eingehen und Schulen ihre Ressourcen optimal einsetzen können, hält Schwarz fest. Allerdings sollten die Kinder am Ende des Tages die gleichen Grundkompetenzen aufweisen können und ein Schulwechsel mühelos möglich sein.  Wenig sinnvoll wäre es laut Schwarz zudem, wenn „ich in fünf Nachbarorten einen IT-Schwerpunkt, aber keinen musischen habe“. Das müsse regional abgestimmt werden, beschreibt sie eine mögliche Einschränkung der Autonomie. Bei der Personaleinstellung ist die niederösterreichische Landesrätin zurückhaltend. Natürlich brauche es mehr Mitspracherecht. „Eine Schule kann aber nicht alles ganz alleine entscheiden“, sagt sie. Für die steirische Landesrätin Lackner darf die Autonomie auch in Personalfragen nicht zu Lasten anderer, zum Beispiel schwierig erreichbarer Schulstandorte gehen. Auch müsse jeder Standort seinen Schülern gewisses Grundwissen und Grundfertigkeiten mitgeben können. Das dürfe sich nicht ändern. „Alles kann ich nicht übergeben“, sagt Lackner. Schwerpunktsetzungen über organisatorische, finanzielle und teilweise personelle Freiräume wären ihr zufolge aber wünschenswert.

Mehr Freiheit bei pädagogischen Schwerpunkten und flexibleren Mitteleinsatz wünscht sich auch Bernadette Mennel. Als Vorbild sieht sie das Volksschulpaket des Landes: „Schulen bekommen zusätzliche Ressourcen für eine gewisse Anzahl von Stunden, über die sie selbst entscheiden können.“ So wäre etwa mehr Begabtenförderung oder die Unterstützung schwächerer Kinder leichter möglich. Allgemeine Zielsetzungen müsse es vonseiten des Bundes natürlich für alle geben.

Am Ende sei aber wichtig, dass das Geld in den Schulklassen ankomme, sagt Mennel. Sparpotenzial sieht sie in der Entflechtung des Kompetenzdschungels: „Ich merke oft, wie kompliziert und langwierig Personalbestellungen sind.“ Allein das Ansuchen um einen neuen Schulwart gehe über zahlreiche Schreibtische im Ministerium. Entscheidungen müssten über kürzere Wege getroffen werden, sagt Mennel. Ein Grund, warum in jedem Land eine Bildungsdirektion eingerichtet werden sollte, die alles unter einem Dach vereinige, meint die Landesrätin.

Schwarz sieht, ähnlich wie Mennel, die Grundsatzgesetzgebung von Qualitätsvorgaben bis hin zu Bildungszielen beim Bund. „Der Vollzug sollte in den Ländern geschehen. Jetzt haben wir einen wilden Mischmasch mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Da können Entscheidungen leicht auf den anderen geschoben werden“, kritisiert die niederösterreichische Landesrätin.

Auch ihre steirische Amtskollegin Lackner hofft, dass mit der Reform Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung entfernt werden können. Ein gewisser Handlungsspielraum sollte den Ländern ermöglicht werden, glaubt sie. Wie weit dieser gehen sollte, wollte sie nicht kommentieren. Lackner möchte der Bildungsreformkommission nicht vorgreifen.

Differenziertes System

Das idealtypische Bild der Steirerin wäre eine Gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Eine Modellregion, wie sie das Land Vorarlberg vorschlägt, hält sie für wenig sinnvoll: „Wir sollten vielmehr schauen, dass wir etwas Gemeinsames entwickeln.“ Anders sieht das Schwarz: „Vorarlberg könnte hier den Eisbrecher machen. Wir würden das mit Interesse verfolgen.“ Grundsätzlich würde sie aber am Gymnasium festhalten. „Im Moment ist es die Garantie für ein differenziertes Schulsystem. Wir wollen keinen Einheitsbrei veranstalten.“ Auch Mennel wünscht sich eine innere Differenzierung, glaubt aber, dass das mit einer Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen möglich ist. „Hier erwarte ich mir mehr Mut zur Weiterentwicklung“, sagt die Vorarlberger Landesrätin.

Ursula Lackner, 55, SPÖ Bildungslandesrätin, Stmk.Ich kann nicht eine Modellregion rausnehmen und etwas Neues kreieren. Wir sollten schauen, dass wir etwas Gemeinsames schaffen. Die Diskussion ist derzeit zu sehr ideologisch belastet.

Ursula Lackner, 55, SPÖ

Bildungslandesrätin, Stmk.

Ich kann nicht eine Modellregion rausnehmen und etwas Neues kreieren. Wir sollten schauen, dass wir etwas Gemeinsames schaffen. Die Diskussion ist derzeit zu sehr ideologisch belastet.

Barbara Schwarz, 56, ÖVP
            
              Bildungslandesrätin, NÖ
            Die Grundsatzgesetzgebung und Qualitätskontrolle für den Schulbetrieb sollten beim Bund liegen. Die Länder sollten für den Vollzug zuständig sein. Sie wissen, was vor Ort notwendig ist.

Barbara Schwarz, 56, ÖVP

Bildungslandesrätin, NÖ

Die Grundsatzgesetzgebung und Qualitätskontrolle für den Schulbetrieb sollten beim Bund liegen. Die Länder sollten für den Vollzug zuständig sein. Sie wissen, was vor Ort notwendig ist.