Festnahmen im Vatikan

02.11.2015 • 21:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Weitergabe von Geheimdokumenten hat erste Konsequenzen.

rom. (VN) In der Affäre um geheime Dokumente über Finanzmissstände im Vatikan, die Journalisten zugeschanzt worden waren, seien zwei Personen festgenommen worden, teilte die vatikanische Staatsanwaltschaft am Montag mit: der spanische Prälat Lucio Angel Vallejo Balda und die Vatikanberaterin Francesca Chaouqui.

Die 32-jährige Italienerin Chaouqui, die der Papst 2013 in die neu gegründete Kommission zur Überprüfung der vatikanischen Finanz- und Güterverwaltung berufen hatte, sei bereits aus der Haft entlassen worden, da sie mit der Justiz zusammenarbeite. Die Kommunikationsexpertin war unter anderem für das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young tätig. Die Italienerin, die in der katholischen Studentenschaft aktiv war, ist die einzige Frau in der Kommission. Der Spanier Vallejo Balda war Sekretär der Präfektur für Wirtschaftsangelegenheiten und des vatikanischen Wirtschafts- und Finanzsektors.

Veröffentlichung am Mittwoch

Die beiden Verdächtigen sollen den italienischen Investigativjournalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi vertrauliche Dokumente für deren Bücher über die Misswirtschaft und Intransparenz bei den vatikanischen Finanzen zugespielt haben. Beide Bücher, die einen neuen Skandal versprechen, erscheinen diesen Mittwoch. Der Vatikan will jedoch deren Veröffentlichung verhindern: Die Bücher würden auf Dokumenten basieren, die auf illegale Weise den Journalisten zugeschanzt worden seien.

Die doppelte Festnahme im Vatikan ist ein neuer Skandal, mit dem der Papst sich jetzt befassen muss. Am Freitag war bekannt geworden, dass der Computer des obersten vatikanischen Wirtschaftsprüfers Libero Milone Ziel eines Hackerangriffs gewesen sei. Die Ernennung Milones zum obersten Wirtschaftsprüfer ist Teil der von Papst Franziskus eingeleiteten Kurien-Reform. Er soll die Finanzen sämtlicher Dienststellen im Kirchenstaat überprüfen. Noch unklar ist, ob der Angriff auf Milones Computer in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der beiden Bücher steht. „Via Crucis“ heißt Nuzzis Werk, „Avarizia“ jenes von Fittipaldi.