Israel versinkt in Gewalt

Politik / 03.11.2015 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Palästinenser versucht die israelische Mauer zum Westjordanland zu durchbrechen. Foto: AP
Ein Palästinenser versucht die israelische Mauer zum Westjordanland zu durchbrechen. Foto: AP

Militär schließt palästinensischen Radiosender. Wieder Aufstände.

jerusalem. (VN) Das israelische Militär hat am Dienstag eine palästinensische Radiostation geschlossen. Der Sender Al-Hurria in Hebron habe Aufrufe zu Angriffen gegen Israelis verbreitet und in der von Spannungen geprägten Stadt im Westjordanland zu Gewalt angestachelt, hieß es in der Begründung. Unter anderem habe er Palästinenser glorifiziert, die Israelis mit Messern attackiert hatten.

Al-Hurria-Direktor Aiman Kauasmeh wies die Vorwürfe zurück. „Wir haben niemanden aufgehetzt. Wir haben nur über tägliche Verbrechen Israels gegen unsere Leute in Hebron berichtet“, versicherte er. Das Vorgehen Israels sei eindeutig eine gewaltsame Aggression gegen die palästinensischen Medien. „Sie wollen unsere Stimmen zum Schweigen bringen.“

Bereits 80 Menschen getötet

Während der jüngsten Gewaltwelle haben Palästinenser elf Israelis ermordet, Sicherheitskräfte töteten 69 Palästinenser, 43 von ihnen sollen Angreifer gewesen sein. Allein in Hebron kam es im vergangenen Monat zu 29 Angriffen. In der Stadt leben einige Hundert jüdische Siedler unter Zehntausenden Palästinensern.

Im Westjordanland habe sich bereits ein Apartheidsystem etabliert, sagte der Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde, Ehab Bsaisso. Er zweifelte an einer baldigen friedlichen Lösung. Es gebe über 500 fixe israelische Checkpoints im Westjordanland, die das Gebiet abteilten, israelische Siedler und Palästinenser würden ungleich behandelt.

Durch die von Israel errichtete Mauer würden 13 Prozent des palästinensischen Landes abgeschnitten. Die Menschen seien so von ihren Schulen, Spitälern und Feldern abgeschnitten. Israel habe die Chancen zum Frieden nicht ergriffen, sondern weitere Siedlungen gebaut. Mittlerweile lebten 500.000 israelische Siedler unter drei Millionen Palästinensern im Westjordanland: Es vergehe „kaum ein Tag ohne Angriff auf Palästinenser durch israelische Siedler“. Gewalt auch seitens der Palästinenser sei vorprogrammiert.