Dicke Luft im Vatikan

Politik / 04.11.2015 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vor den vatikanischen Hallen wird Papst Franziskus von den Massen bejubelt. In den heiligen Gemäuern jedoch rumort es ganz gewaltig. Foto: EPA
Vor den vatikanischen Hallen wird Papst Franziskus von den Massen bejubelt. In den heiligen Gemäuern jedoch rumort es ganz gewaltig. Foto: EPA

Neue Verdächtige im Vatikan. Zwei Bücher gießen Öl ins Feuer
des Finanzskandals.

rom. (VN) Bei den Ermittlungen um die Weitergabe geheimer vatikanischer Finanzdokumente sind weitere Verdächtige ins Visier der Ermittler geraten. Der neue Skandal sei erst am Anfang, berichtete die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ am Mittwoch.

Wie berichtet, waren kürzlich Prälat Lucio Angel Vallejo Balda, Sekretär der Präfektur für Wirtschaftsangelegenheiten und des vatikanischen Finanzsektors, sowie PR-Beraterin Francesca Chaouqui von der Kommission zur Überprüfung der vatikanischen Finanz- und Güterverwaltung wegen der Weitergabe der Dokumente festgenommen worden. Da Chaouqui mit der Staatsanwaltschaft kooperieren will, wurde sie inzwischen aus der Haft entlassen.

Nach der Überprüfung von Laptop und Smartphone von Balda wurden nun Ermittlungen gegen weitere Personen aufgenommen. Vatikans Staatsanwälte wollen auch Kontakt zur Justiz in Rom aufnehmen. Sie fordern Ermittlungen wegen Hehlerei gegen die Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi. Ihnen wurden die heiklen Dokumente zugespielt, beide präsentierten am Mittwoch neue Bücher, mit denen sie Öl ins vatikanische Feuer gießen.

„Peterspfennig“ im Visier

Misswirtschaft und Geldverschwendung im Vatikan stehen im Mittelpunkt der Bücher. Ein Beispiel: Österreichs katholische Kirche lieferte laut Bischofskonferenz zuletzt jährlich 872.000 Euro für das Vatikan-Budget in Rom ab. Dies geschieht im Rahmen des „Peterspfennig“, der in Nuzzis Buch („Alles muss ans Licht“, Ecowin-Verlag) eine Rolle spielt.

80 Prozent zweckentfremdet

Diese Kollekte wird stets am 29. Juni gesammelt. 2012 kamen 53 Millionen Euro aus aller Welt im Vatikan an. Die Spenden sollen für kirchliche Hilfswerke und humanitäre Aufgaben verwendet werden. Tatsächlich fließen laut den veröffentlichten Dokumenten von jedem Euro lediglich 20 Cent in karitative Zwecke.

Grund sei die desaströse Finanzlage der Kurie, der Verwaltung der katholischen Kirche. Mit dem Geld, das karitative Katholiken aus aller Welt nach Rom schicken, würden die Finanzlöcher gestopft und bis zu 600 Quadratmeter große Luxuswohnungen für Kurienkardinäle in Rom finanziert.

Weitere Details: Vatikanische Geldanlagen in Höhe von zehn Milliarden Euro seien beachtlichen Risiken ausgesetzt, in der vatikanischen Pensionskasse gebe es ein Finanzloch von 800 Millionen Euro und bei einer Inventur von Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten im Vatikan fehlten Waren im Wert von 1,6 Millionen Euro.

Durch Fittipaldis Buch „Avarizia“ (Geiz) gerät darüber hinaus der australische Kardinal George Pell, Wirtschaftsminister im Vatikan, unter Druck. Sein Büro soll den veröffentlichten Dokumenten zufolge in sechs Monaten mehr als eine halbe Million Euro ausgegeben haben, unter anderem für Möbel, Kleider und dergleichen.