Ein Schelm

Politik / 05.11.2015 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die besten Menschen dieser Erde sind die Hunde und die Pferde. Davon sind viele Tierfreunde überzeugt. Aber so, wie es schwierige Menschen geben soll, gibt es auch im Tierreich Problemfälle. In einer Landtagsanfrage wollte die Neos-Abgeordnete Sabine Scheffknecht wissen, wie viele „schwierige Hunde“ in den letzten Jahren im Tierschutzheim betreut wurden, aufgeschlüsselt für die Jahre 2005 bis 2014. Da musste selbst der zuständige Landesrat passen. Pro Jahr landen meist zwischen 500 und 600 Hunde im Tierheim. Erich Schwärzler antwortete: „Eine gesonderte Statistik für schwierige Hunde wird nicht geführt.“ Das war dann doch zu viel verlangt.

Dennoch muss man die Neos-Abgeordneten für ihren Tierschutzeinsatz loben. Mitglieder des Landtags zeigen sich redefreudig, solange Journalisten eine Sitzung verfolgen. Ist die Pressebank zur Abendstunde erst einmal leer, dann will im Landtag niemand mehr sein Pulver verschießen. Martina Pointner von den Neos ist eine rühmliche Ausnahme. Sie hat auf der letzten Landtagssitzung in den ungeliebten Abendstunden noch eine Tierschutzdebatte vom Zaun gebrochen, die es in sich hatte. Und die Frauen in allen anderen Fraktionen haben sie unterstützt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die peinliche Vergabe des letzten Tierschutzpreises, bei dem Leute ausgezeichnet wurden, die ihr Hausschwein „zum Fressen gern“ hatten, wird sich so nicht wiederholen.

Einen riesigen Erfolg haben die Neos-Abgeordneten bei den überlangen Tiertransporten nach Graz erreicht, die man als Probelieferungen kleinreden wollte. Blutdruck, Herzfrequenz und Atemfrequenz der Tiere schnellen bei den Transporten in die Höhe. Der zuständige Landesrat teilte denn auch mit, dass er aus Tierschutzgründen den Schlachttiertransport nach Graz ablehne. Tiertransporte dürfen grundsätzlich nicht länger als acht Stunden dauern. Die Route wird zuerst einmal für Personenkraftwagen berechnet. Das Handbuch für Tiertransporte weist aber ausdrücklich darauf hin, dass der abfertigende Amtsarzt bei Tiertransporten diese Zeitangaben unbedingt nach oben korrigieren muss. Das ist bei den Transporten nach Graz unterblieben. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt. Eine Glanzleistung der Veterinärabteilung war das jedenfalls nicht.

Der Tierschutz ist bei den weiblichen Abgeordneten des Vorarlberger Landtags in guten Händen. Wie sich zeigt, bewirken sie mehr als die Behörden. Eine weitere Steigerung ihrer Glaubwürdigkeit wäre es freilich noch, wenn sie in der Landtagskantine nicht so herzhaft in ihr Wurstbrötchen beißen würden.

Der Tierschutz ist bei den weiblichen Abgeordneten des Vorarlberger Landtags in guten Händen. 

arnulf.haefele@vorarlbergernachrichten.at
Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist.
Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.