London geht immer mehr von Anschlag aus

05.11.2015 • 21:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zahlreiche Flüge aus Sharm el Sheik wurden gestrichen. Tausende Urlauber saßen im Badeort fest. Foto: EPA
Zahlreiche Flüge aus Sharm el Sheik wurden gestrichen. Tausende Urlauber saßen im Badeort fest. Foto: EPA

Moskau und Kairo weisen Vermutung zurück. 9000 Briten saßen in Sharm el Sheik fest.

Kairo. (VN) Großbritanniens Regierung hält es für immer wahrscheinlicher, dass Terroristen für den Flugzeugabsturz über dem Sinai verantwortlich sind: „Wir können nicht sicher sein, dass das russische Passagierflugzeug von einer terroristischen Bombe zum Absturz gebracht wurde“, sagte Premierminister David Cameron am Donnerstag, „aber es sieht mit zunehmender Wahrscheinlichkeit aus, als sei das der Fall gewesen.“ Ein Anschlag sei wahrscheinlicher, als dass es keiner war, fügte er hinzu. Auch die USA vermuten, dass ein Sprengsatz für den Absturz verantwortlich war.

Moskau und Kairo verneinen

Die russische Regierung indes wies Mutmaßungen über einen Bombenanschlag auf die am Samstag über der Sinai-Halbinsel abgestürzte Maschine als „Spekulation“ zurück. Nur eine „Untersuchung“ könne die Gründe für das Unglück ans Licht bringen, doch gebe es bisher dazu keine offiziellen „Aussagen“ der Ermittler, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow: „Jede andere vorgeschlagene Erklärung mutet wie eine unbestätigte Information oder irgendeine Art von Spekulation an.“

Ähnlich äußerte sich auch der ägyptische Minister für die zivile Luftfahrt, Hossam Kamal. Die Ermittler verfügten „noch nicht über Beweise oder Daten, die die Theorie bestätigen“, dass es sich um einen Bombenanschlag handle, erklärte Kamal am Donnerstag in Kairo. Dementsprechend wird der Flugverkehr nach Sharm el Sheikh aufrechterhalten. Allein am Donnerstag wurden 23 Ankünfte aus Russland erwartet. Der Airbus A321 der russischen Gesellschaft Metrojet war in dem Badeort gestartet.

Flugverkehr wurde eingestellt

Großbritannien hingegen hatte bereits am Mittwoch den Flugverkehr mit dem ägyptischen Badeort zur Vorsicht vollständig ausgesetzt. Gleiches unternahmen internationale Linien aus Irland, den Niederlanden und anderen Ländern. In Sharm el Sheikh drohen laut Reiseanbietern deshalb chaotische Verhältnisse: Mindestens 9000 Briten saßen am Donnerstag in der Urlaubsregion fest. Österreich fliegt bereits seit März 2014 Sharm el Sheikh nicht mehr an: Die Austrian Airlines haben die Destination aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben.

Der Airbus A321 war, wie berichtet, am Samstag kurz nach dem Start in Sharm el Sheikh auf dem Weg nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, zumeist russische Urlauber, starben. Laut Ermittlern brach die Chartermaschine der Fluggesellschaft Kogalimawija, die unter dem Namen Metrojet fliegt, in der Luft auseinander.

Der in Ägypten mordende Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erklärte bereits mehrmals, er habe die Maschine zum Absturz gebracht – wie, gaben die Dschihadisten nicht bekannt. Ägyptische und russische Behörden bezweifeln jedenfalls die Version eines Abschusses. Dies deshalb, weil der IS auf der Sinai-Halbinsel laut Geheimdienstinformationen nicht über notwendige Waffen verfüge, um eine in rund 9000 Metern Höhe fliegende Maschine abzuschießen.

Mehr Sicherheitsmaßnahmen

Unterdessen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in und um Ägyptens Flughäfen verschärft. Rund 9000 britische Urlauber warten seit Mittwoch auf den Heimflug – sie sollen heute, Freitag, nach London gebracht werden.