Terror aus Syrien wird nun zur globalen Gefahr

08.11.2015 • 21:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Absturz des russischen Fliegers wirkt sich auf Syrien aus. AP
Der Absturz des russischen Fliegers wirkt sich auf Syrien aus. AP

Der „Islamische Staat“ ist jetzt auch in Ägypten am Werk.

kairo, damaskus. Diese Woche wollen sich in Wien die Großen dieser Welt weiter über einen Ausweg für Syrien den Kopf zerbrechen. Höchste Zeit, um einen Islam-Terror an der Wurzel zu packen, vor dem inzwischen bald überall harmlose Urlaubsflieger und friedliche Passanten nicht mehr sicher sind. Wie aber schon das letzte Mal der saudisch-iranische Hahnenkampf gezeigt hat, halten immer noch starke Kräfte die Beseitigung des Regimes Assad für eine Patentlösung aller syrischen Nöte. Dennoch scheint es immer verfehlter, einen berechenbaren, nicht rundum negativen Diktator im Namen einer dort in jeder Hinsicht unrealistischen, auf Sand gebauten Demokratie zu stürzen und damit nur eine viel schlimmere Gewaltherrschaft zu riskieren. Das war schon beim Zaren und den Bolschewiken so und gilt heute beim Vergleich von Gewaltherrscher Assad mit den Gräueltaten islamistischer Terrormilizen wie Al-Nusra und vor allem IS.

Der „Islamische Staat“ ist nun auch in Ägypten am Werk, mag auch Kairo die Augen davor verschließen. Da wurde zwar 1952 ein König Faruk durch Abdel Nasser ersetzt, dieser 1970 von seinem Vize Sadat beerbt, bis dessen Ermordung 1981 Mubarak Platz machte, der sich bis in den Arabischen Frühling von 2011 hinein halten konnte. Nach einem politislamischen Zwischenspiel ist jetzt als vierter Militär Abdalfattah as-Sisi an der Macht. Nicht geändert hat sich jedoch in den mehr als 70 Jahren die ägyptische Vertuschungs-Mentalität: Was falsch gelaufen oder unangenehm ist, wird einfach abgeleugnet. So wie Kairo jetzt allzu lang den Terrorhintergrund der Luftkatastrophe vom Sinai einfach nicht wahrhaben wollte.

Dahinter steckt nicht nur nackte Angst, nach der Gefährdung von Pyramiden und Königsgräbern durch anhaltende Unrast der Muslim-Brüder im Niltal nun auch die Rotmeer-Winterparadiese als letzte Touristen- und Devisenquellen einzubüßen. Der General als Präsident will sich, seinem Volk und der Welt vor allem nicht eingestehen, wie hilflos seine Kriegsmaschine am Sinai angesichts des dort operierenden IS-Ablegers dasteht, der „Hilfstruppen fürs Heilige Muslim-Jerusalem“. Dort ist ebenfalls der „Islamische Staat“ gemäß der von seinem Kalifen ausgegebenen Parole zum Individualterror mit dem nächsten greifbaren Messer, Hammer oder Fahrzeug als Rammbock gegen ahnungslose Passanten am Werk.

Vergeltung aus Moskau

Eine noch globalere Gefahr als der IS am Suezkanal und an Israels Flanken zieht aber jetzt mit der aus Moskau drohenden Vergeltung herauf. Putin lässt sich nirgendwo ungestraft herausfordern. Das hatte von Anfang an seine Machtergreifung mit dem zweiten Tschetschenienkrieg gezeigt. Nun ist Russland erst recht versucht, die Führung im bisher vom Westen samt der Türkei nur halbherzig geführten Kampf zur Vernichtung der nahöstlichen Islamisten-Hölle an sich zu reißen. Das kann uns weltpolitische Ost-West-Turbulenzen einbrocken.