Ein Wirrwarr mit schweren Folgen

Politik / 09.11.2015 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Unser Bildungssystem kostet zu viel und bringt zu wenig. Das attestiert der SPÖ-Grande Hannes Androsch im VN-Interview. Damit hat er recht. Ebenso, wenn er sagt, dass die Regierung an einem weiteren Test scheitere, sollte sie die notwendige Bildungsreform in den Sand setzen. Die Bürger würden einmal mehr an der Handlungsfähigkeit der aktuellen Koalition zweifeln.

Schließlich investiert Österreich derzeit überdurchschnittlich viel in das Bildungssystem, schneidet im Pisa-Test vergleichsweise aber schlecht ab. Von der Volksschule bis zur Hochschule betrugen die Pro-Kopf-Ausgaben 2011 laut OECD-Studie rund 12.220 Euro. Der OECD-Schnitt lag im Vergleich weit darunter, nämlich bei 8800 Euro. Daher ist es umso schmerzlicher, dass die österreichischen Schüler mit ihrer Lesekompetenz bei der Pisa-Studie 2012 nur auf Platz 21 rangierten. Lediglich bei Mathematik landeten sie im vorderen Mittelfeld auf Rang elf von 34.

Das viele Geld fließt also nicht direkt in die Klassenzimmer, sondern versinkt zum Teil in einem österreichischen Kompetenzwirrwarr. Es braucht eine klare Linie, eine klare Kompetenzzuteilung, klare Ziele und eine dementsprechende Finanzierung.

In genau einer Woche soll es dazu eine Absichtserklärung geben. Bund- und Ländervertreter sitzen in der Bildungsreformkommission und verhandeln noch. Die Hoffnung auf den großen Wurf schwindet allerdings. Schließlich wollen die Länder ihre Macht beibehalten und zusätzlich die Bundeslehrer unter ihre Fittiche nehmen. Der Bund hingegen möchte die Schulangelegenheiten zentral verwalten und den Ländern diese Kompetenz streitig machen. Als wäre diese Pattstellung noch nicht genug, streiten sich SPÖ und ÖVP auch darüber, ob die gemeinsame Schule kommen oder das Gymnasium beibehalten werden soll.

Wenngleich das Ergebnis noch abzuwarten ist, die Ausgangspositionen lassen Blockaden mit Folgen vermuten. Österreich fällt mit der anhaltenden Wirtschaftsflaute immer weiter zurück. Umso wichtiger ist es, ein wettbewerbsfähiges Schulsystem aufzubauen, indem Talente bestmöglich gefördert und Schwächen adressiert werden. Das zeigt im Übrigen auch, worum es wirklich geht: Nicht um Macht und Einfluss, nicht um SPÖ versus ÖVP, nicht um Bund versus Länder, sondern um unsere Zukunftsfähigkeit.

Die Bürger würden einmal mehr an der Handlungsfähigkeit der aktuellen Koalition zweifeln.

birgit.entner@vorarlbergernachrichten.at, 01/3177834