„Gefahr für Lebensmittelwirtschaft“

11.11.2015 • 21:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Spar-Chef Gerhard Drexel warnt vor TTIP. Foto: APA
Spar-Chef Gerhard Drexel warnt vor TTIP. Foto: APA

Spar-Chef warnt vor dem Freihandels­abkommen zwischen den USA und der EU.

Wien. (VN-ebi) Der Schaden durch das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) wäre gigantisch, unumkehrbar und beträfe alle Sektoren der heimischen Lebensmittelwirtschaft: die Landwirtschaft, die Lebensmittelerzeugung, den Lebensmittelhandel und letztlich alle Konsumenten. Dieses Fazit zieht Gerhard Drexel zu den Plänen der EU-Kommission. Der Spar-Chef möchte mangelnder Aufklärung entgegentreten und holte sich dafür unter anderem Ölz-Meisterbäcker Bernhard Ölz mit ins Boot. Dieser befürchtet, dass das Abkommen die Gentechnik in der Getreidewirtschaft befeuern könnte. Auch erklärt er, dass es in seiner Branche kein weiteres Wachstum brauche. Dies gilt schließlich immer wieder als Argument für TTIP. Jeder Österreicher verzehre rund 70 Kilogramm Getreide- und Mehlerzeugnisse pro Jahr. Das sei seit den 1970ern so und werde sich auch in Zukunft nicht ändern. Wachsen könnte lediglich die Transportwirtschaft. Heimische Betriebe würden durch einen stärkeren Preiskampf hingegen belastet, sagt Drexel. Billigeres Hormonfleisch könnte den Markt in Österreich fluten, zeichnet der Spar-Chef ein Szenario. Das würde nicht nur die Betriebe in Not bringen, sondern auch die Gesundheit schädigen, warnt er. Letzteres glaubt auch der Mediziner und Ernährungsexperte Markus Metka. Er verweist etwa auf die strengen EU-Regeln für Chemikalien. „In den USA werden die Menschen aber vergiftet“, sagt Metka. „Bis sie das bemerken, vergehen mehrere Jahrzehnte.“

Immer wieder versprechen Politiker wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker oder Umweltminister Andrä Rupprechter, dass die europäischen Standards durch TTIP nicht gefährdet werden. „Wozu aber braucht es einen solchen Deal, wenn man die Standards erhalten will?“, fragt sich Alexander Egit von Greenpeace. „Wenn ich Zölle senken will, mach’ ich es einfach. Wenn ich die Standards anheben möchte, mach’ ich es einfach.“

Dass die Wirtschaftskammer eine Pro-TTIP-Linie einschlägt, gefällt Drexel nicht. Von ihr fühle er sich schon lange nicht mehr vertreten. In Hinblick auf Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagt er: „Er ist ein militanter TTIP-Befürworter.“ Ein Gespräch, das er mit ihm im Jänner geführt habe, sei ein Desaster gewesen.