„Angst habe ich nicht, aber ich bin wütend“

Politik / 15.11.2015 • 22:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wie zwei Französinnen aus einem betroffenen Viertel die Anschläge erlebten.

paris. „Ich bin in der Mitte dieses Albtraums. Das Gebiet ist abgeriegelt. Anscheinend wurde auch in der Rue de Charonne und der Rue Faidherbe geschossen“, meldete Barbara Castello am Freitag gegen Mitternacht in Facebook. Die Französin wohnt nahe der Rue de Charonne. „Um 21:30 Uhr begannen die Sirenen mit der gleichen Intensität zu heulen wie beim Angriff auf Charlie Hebdo“, berichtet sie den VN. „Zuerst weigerte ich mich zu glauben, dass es ein Angriff war. Ein Freund rief mich an und teilte mir mit, dass ganz in meiner Nähe eine Schießerei sei. Dann schaltete ich das TV-Gerät ein und erkannte das Ausmaß der Massaker, die sich in meiner Nähe abspielten.“ Ihre Wohnung habe Barbara auf Empfehlung des Innenministeriums nicht verlassen.

In dieser Nacht habe sie kein Auge zugetan, weil die Sirenen erst nach 4 Uhr morgens schwiegen. „Samstagfrüh herrschte im Viertel Grabesstille. Das war beeindruckend“, sagt Barbara. „Der Tod war überall. Aber Paris war noch am Leben.“ Was geschehen ist, könne sie nicht verstehen. „Angst habe ich nicht. Aber ich bin wütend!“

Kinder stellten Fragen

„Ich habe geschlafen, als die Attacken passierten und hörte davon am Samstagmorgen im Radio“, erzählt Julie Hernandez den VN. Die Mutter zweier Kinder wohnt in der Nähe des Theaters Bataclan. „Meine Sprachbox war voll mit Nachrichten von Freunden und Angehörigen.“ Julies Kinder Soane (13)  und Milan (8) stellten ihrer Mutter immer wieder Fragen, um zu verstehen, was da draußen passierte. Trotz hermetischer Abriegelung des Viertels aufgrund der Ermittlungen der Forensiker war es den Bewohnern gestattet, ihre Wohnungen zu verlassen. So ging die Familie wie jeden Samstag auch diesen zum Thai-Restaurant ums Eck essen. Auf dem Platz davor hätten sich wie jeden Samstag viele Menschen aufgehalten. „Die Bewohner unseres Viertels haben ihre Gewohnheiten nicht geändert.“ Besorgt ist Julie darüber, „wie die Welt sich nun weiter drehen wird“. Vor allem, was die Zukunft ihrer Kinder betrifft.