Lage in Frankreich bleibt angespannt

Politik / 15.11.2015 • 22:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zeichen der Anteilnahme an den verschiedenen Tatorten.
Zeichen der Anteilnahme an den verschiedenen Tatorten.

Franzosen gedenken allerorts der Terroropfer. Terrorfahnder jagen achten Verdächtigen.

paris. An vielen Orten in ganz Frankreich kamen die Franzosen am Wochenende zusammen, um der Opfer der Pariser Terroranschläge zu gedenken. In Brest versammelten sich am Sonntagmorgen etwa 3500 Personen, sangen die Nationalhymne „Marseillaise“ und hielten eine Schweigeminute ab. Auch Tausende Kilometer von Paris entfernt, im französischen Überseegebiet Kaledonien, gedachten die Franzosen der Terroropfer. 250 Menschen versammelten sich am Sonntag in Nouméa, der Haupstadt der Insel, und legten Kerzen und Blumen nieder.

Panik in Paris

In Paris kamen die Menschen vor allem auf der Place de la République zusammen, zündeten Kerzen an. Dort zeigte sich, wie angespannt die Lage in der Hauprstadt weiter ist: Am Sonntagabend kam es kurzzeitig zu einer Paniksituation. Hunderte Menschen ergriffen die Flucht, nachdem schwer bewaffnete Polizisten rund um den Platz aufgezogen waren. Ein konkreter Anlass wurde von der Polizei nicht bestätigt.

Ganz in der Nähe der Place de la République hatten die Terroristen die Konzerthalle Bataclan und mehrere Cafés und Restaurants attackiert. Insgesamt hatten drei Terrorkommandos an sechs Orten nahezu gleichzeitig zugeschlagen. Sie schossen wahllos auf Menschen und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stade de France in die Luft. Sieben Attentäter kamen ums Leben, ein Verdächtiger ist auf der Flucht und wurde von der belgischen Justiz international zur Fahndung ausgeschrieben.

Nun wurde bekannt, dass die Selbstmordatten-

täter im Stade de France ein Blutbad geplant hatten. Laut dem französischen Sport-Staatssekretär

wollten die Täter eine Bombe in dem mit knapp 80.000 Fans besetzten Stadion zünden.

Staatspräsident

François Hollande hat bereits in der Nacht zum Samstag in Frankreich den Ausnahmezustand verhängt. Diesen will er nun auf mindestens drei Monate verlängern. Dafür müsste das Parlament über zwölf Tage hinaus ein Gesetz beschließen. Der Gesetzentwurf soll am Mittwoch im Kabinett beraten werden. Der Ausnahmezustand erlaubt Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Einrichtung spezieller Sicherheitszonen.

Des Weiteren hat er eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Während dieser Zeit werden die Flaggen auf Halbmast gehängt. Zuletzt war eine Staatstrauer nach den Anschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar dieses Jahres beschlossen worden.

Hollande bemüht sich auch um politische Einheit, indem er am Sonntag

Vertreter des Senats, der Nationalver-

sammlung

sowie der wichtigsten

Parteien zu Gesprächen in den Elysée-Palast einlud. Am Montag will er vor dem im Schloss von Versailles versammelten Kongress sprechen, der die beiden Parlamentskammern vereint.

Als ersten Vertreter empfing er den früheren konservativen Staatschef Nicolas Sarkozy. Dieser forderte eine „drastische Änderung unserer Sicherheitspolitik“ und einen Kurswechsel in Syrien. In Teilen der Opposition stieß Hollande auch mit seiner Äußerung auf Kritik, wonach die islamistischen Angriffe am Freitagabend ein „Kriegsakt“ seien. Der konservative frühere Premier Dominique de Villepin wies etwa die Idee zurück, dass Frankreich „im Krieg“ sei, da dies nur den Extremisten in die Hände spiele. „Die Falle, die uns gestellt wird, ist die Idee, dass wir einen Krieg führen müssen“, sagte Villepin. Eine „Bande fanatischer Mörder“ wolle das Land spalten und „in einen Bürgerkrieg“ stürzen, doch dürfe die Regierung nicht in diese Falle gehen, warnte er.

Auch Premierminister Manuel Valls hat am Sonntag zur Einigkeit aufgerufen. „Wir sind im Krieg“, sagte er beim Besuch der Polizeipräfektur von Paris. „Was in einem Krieg unverzichtbar ist, ist eine heilige Union. So widersteht ein großes Land, eine Demokratie mit unseren Werten dem Terrorismus, dieser Geist des Widerstands, diese Fähigkeit zur Einigkeit, diese heilige Union.“

Unter dem Eindruck des Terrorschocks rückten die mächtigsten Industrie- und Schwellenländer G20 gestern im Kampf gegen islamistische Gewalt zusammen. Trotz Differenzen über das Vorgehen im Syrienkrieg sandte der G20-Gipfel im türkischen Belek am Sonntag ein starkes Signal, die IS-Terrormiliz bezwingen zu wollen.

Luftangriffe gegen den IS

Am Abend wurde bekannt, dass die französische Luftwaffe die Terrormiliz als Antwort auf den Terror angegriffen hat. Die Bombardements richteten sich gegen die IS-Hochburg Al-Rakka, hieß es vonseiten des französischen Verteidigungsministeriums.

Schockzustand auch drei Tage nach dem Terrorakt in Paris.
Schockzustand auch drei Tage nach dem Terrorakt in Paris.
Die Sicherheitsmaßnahmen werden europaweit verstärkt.
Die Sicherheitsmaßnahmen werden europaweit verstärkt.
In Frankreich wurde der Ausnahmezustand auf drei Monate verlängert.
In Frankreich wurde der Ausnahmezustand auf drei Monate verlängert.
Beten für die Opfer der feigen Anschläge. Ganz Europa befindet sich im Ausnahmezustand. Die Anteilnahme der Menschen, egal ob jung oder alt, ist groß.
Beten für die Opfer der feigen Anschläge. Ganz Europa befindet sich im Ausnahmezustand. Die Anteilnahme der Menschen, egal ob jung oder alt, ist groß.