USA als Vorbild für ,,Flutbändiger“

Politik / 16.11.2015 • 22:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Horden“ unerwünschter Einwanderer in Europa? Eine alles unter sich begrabende Lawine von so um die 1,5 Millionen bis Jahresende, wie der deutsche Finanzminister befürchtet? Mit vielleicht sogar einigen Terroristen?

Das Problem haben die Vereinigten Staaten auch. Da haben sich schon elf oder zwölf Millionen illegale Einwanderer eingeschlichen. Die will Präsidentschaftskandidat Donald Trump nach seiner Wahl von einer „Exmittierungs-Force“ einsammeln, in Internierungslagern einsperren und dann über die US-Landesgrenze befördern lassen. Bye, bye Amigo! Und dabei hatte er noch gar nichts von den Terroranschlägen in Paris gehört.

Zu fragen ist, wann und wo Donald Trump sein Moralempfinden verloren hat, und ob sich zur Asylantenabwehr entschlossene europäische Politiker durch den amerikanischen Flüchtlings-Sheriff bestätigt sehen und ihn ein bisschen kopieren wollen.

Parallelen und erste Anzeichen gibt es schon. An den Außengrenzen einiger EU-Staaten werden Sperranlagen, Zäune und Mauern gegen eine menschliche „Flutwelle“ hochgezogen. Das haben die USA schon lange. Bewacht, kontrolliert und gesichert von der schwerbewaffneten US Border Control. Genutzt hat es nichts. Die Flüchtlinge kommen trotzdem ins Land. Minus der schon mehreren Tausend erschossenen, ertrunkenen, verhungerten und verdursteten „Grenzverletzer“. Männer, Frauen und Kinder, „Wirtschaftsflüchtlinge“ und politisch Verfolgte und Bedrängte. Demnächst déjà-vu mitten in Europa?

Zwischen 1940 und 1970 warfen die US-Behörden in Großaktionen schon ein paar Millionen Unerwünschte aus dem Land. Trump pries jetzt die „Operation Wetback“ des damaligen Präsidenten Eisenhower, der in den 50er-Jahren 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Mexiko exmittiert habe. Tatsächlich waren es „nur“ 300.000 und Fremdenfeind Trump verschweigt, dass beim rabiaten Militäreinsatz ein paar Hundert Weggekarrte ums Leben kamen, und ganz viele der Zurückgeschickten machten sich postwendend wieder auf den lebensgefährlichen Weg ins Land, das sie loswerden wollte. Wo sie, wie die derzeitigen Illegalen zu Sklaven- und Hungerlöhnen die US-Wirtschaftskraft stärkten, vielfach Steuern zahlten, das US-Renten- und Alten-Krankenversicherungssystem mit ihren Beiträgen solvent hielten (ohne ihrerseits Anspruch auf Leistungen zu haben), und die dem Staat unter dem Strich mehr brachten als sie ihn kosteten.

Die USA als Vorbild für die europäischen Asylantenbewältiger, die Flut- und Lawinenbändiger, die „das Boot ist voll“-Strategen, die Mauerbauer, die Xenophobenkumpane und Asylantenrückführer? Dann müssen sie aber auch akzeptieren, menschenverachtend zu sein und nicht rechnen zu können. Mit „Grenzen zu“ lässt sich auch das Eindringen gewaltbereiter Terroristen nicht verhindern, siehe New York, 11. September 2001. Können wir mal von der Alternativlosigkeit der Menschlichkeit reden?

Mit ,,Grenzen zu“ lässt sich das Eindringen von Terroristen nicht verhindern, siehe New York, 11. September 2001.

Peter W. Schroeder, Washington