Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Österreichische Lösungen

17.11.2015 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Scheitern verboten, schrieb Johannes Huber an dieser Stelle über die Bemühungen der Bundesregierung zur Bildungsreform. Die Erwartungen sind schließlich zwiespältig: Einerseits hoch aufgrund der Dringlichkeit des Themas für die Gesellschaft, andererseits niedrig durch unser aller Erfahrungen mit der Arbeitsweise dieser ungeliebten Koalition, die den Namen Groß schon lange nicht mehr verdient. Ein Schrittchen vor und zwei zurück, minimale gemeinsame Ankündigungen bei maximalem gegenseitigen Misstrauen.

Das Verbot des Scheiterns wegen einer katastrophalen Außenwirkung war in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen, wie die nächtliche Marathonverhandlung bis zum bitteren Ende bewies. Aufstehen vom Verhandlungstisch ohne Ergebnis wäre einem Eingeständnis der Arbeitsunfähigkeit dieser Regierung gleichgekommen. Denn im Gegensatz zur Flüchtlingskrise können unvorhersehbare globale Ereignisse in diesem Fall nicht als Ausrede herhalten. Die Baustelle Bildung ist seit Langem bekannt sowie vielseitig erforscht und diskutiert.

Knackpunkte bei den Verhandlungen waren die Verwaltung der Lehrer, die gemeinsame Schule und die Autonomie der einzelnen Standorte in finanziellen, personellen und inhaltlichen Fragen. Weiteres Augenmerk verdienen die Bestellung der Direktoren sowie der Stellenwert der Kindergartenpädagogik. Daran sollte das Paket gemessen werden, und hier zeigen sich die Schwächen. Eine Bund-Länder-Behörde drückt schon sprachlich den unmöglichen inhaltlichen Spagat aus. Wenn es um klare Strukturen und die Vermeidung von Doppelgleisigkeiten geht, sind entweder der Bund oder die Länder für die Verwaltung der Lehrer zuständig und nicht irgendwie beide. Mit Vorarlberg und Wien stünden zwei Bundesländer bereit, mit der gemeinsamen Schule zu starten, doch nur 15 Prozent sind nun erlaubt. Ohne geografische Konzentration der betroffenen Schulstandorte ist jeder neue Versuch reiner Etikettenschwindel. Schulautonomie wird zwar zugestanden, aber konterkariert durch eine Zentralmatura, die jegliche inhaltliche Bewegungsspielräume verhindert. Auf die konkrete Ausgestaltung der Bestellung von Direktoren – etwa parteibuchunabhängig und befristet – darf noch gespannt gewartet werden. Akademisierung der Frühpädagogik oder mehr Demokratie an Schulen? Absolute Fehlanzeige.

Dabei wäre die Vision so einfach: Eine Schule, in die Schüler, Lehrer und Eltern gerne gehen. Bildung, die alle notwendigen Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen vermittelt. Kinder mit ausreichend Selbstbewusstsein und Verständnis für interkulturelle Begegnungen. Lehrer, die sich auf ihre Aufgaben konzentrieren können, statt Verwaltungs- oder Sozialarbeit zu leisten. Eltern, die nicht mehr Millionen für Nachhilfe ausgeben müssen.

Die Baustelle Bildung ist seit Langem bekannt.

kathrin.stainer-haemmerle@vorarlbergernachrichten.at
FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin,
lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.