IS-Terror hält Europa weiter in Atem

Politik / 18.11.2015 • 23:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Paris herrscht auch fünf Tage nach den Attentaten Ausnahmezustand. Militär patrouilliert in der Stadt an der Seine. Fotos: Reuters, AFP, AP
In Paris herrscht auch fünf Tage nach den Attentaten Ausnahmezustand. Militär patrouilliert in der Stadt an der Seine. Fotos: Reuters, AFP, AP

Komplizen gefasst: Zwei Tote und mehrere Verletzte nach einem Großeinsatz in Paris.

Paris. Nach den Terroranschlägen in Paris sind bei einer Polizeirazzia acht Verdächtige festgenommen worden. Zwei weitere mutmaßliche Terroristen kamen am Mittwoch ums Leben, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Eine Frau sprengte sich in die Luft, als Spezialkräfte eine Wohnung in Saint-Denis nördlich der Hauptstadt stürmten. Ein weiterer Mann wurde von Schüssen und Granaten tödlich verletzt.

Aus abgehörten Telefonaten hatte die Polizei Hinweise, dass sich der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorserie mit 129 Todesopfern, Abdelhamid Abaaoud, in der Wohnung aufhalten könnte. Ob der Islamist, der für die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien gekämpft haben soll, bei dem Einsatz ums Leben kam, blieb zunächst unklar. Einen entsprechenden Bericht der Washington Post, die sich auf europäische Geheimdienstvertreter beruft, bestätigte Frankreichs oberster Staatsanwalt, François Molins, am Abend nicht, der getötete Mann müsse erst identifiziert werden. Abaaoud sei jedoch nicht unter den Verhafteten, ebensowenig wie der mutmaßliche Attentäter Salah Abdesalam, wie Molin angab.

„Es besteht eine Verbindung“

Der Zugriff hatte gegen 4.30 Uhr begonnen und dauerte rund sieben Stunden. Einen ersten misslungenen Versuch der Einsatzkräfte, die gepanzerte Wohnungstür zu sprengen, beantworteten die Verdächtigen mit einem einstündigen Dauerfeuer. Allein die Polizei verschoss insgesamt 5000 Schuss. Währenddessen saßen 15.000 bis 20.000 Anwohner in ihren Wohnungen fest, wie der Beigeordnete Bürgermeister Stéphane Peu der Zeitung „Le Parisien“ sagte. Etwa 15 Menschen, darunter Kinder, seien aus dem gestürmten Gebäude in Sicherheit gebracht worden. „Es gibt keine Verletzten unter den Bewohnern“, sagte Peu.

33 Extremisten getötet

Auch in Syrien geht Frankreich weiter massiv gegen die IS-Terrormiliz vor, die sich in einer nicht verifizierten Mitteilung zu dem Anschlag am Freitag mit 129 Todesopfern bekannt hatte.

Bei Luftangriffen französischer Jets und Flugzeugen anderer Nationen auf die nordsyrische IS-Hochburg Al-Rakka wurden in den vergangenen drei Tagen mindestens 33 Extremisten getötet. Zudem gebe es Informationen über weitere Opfer, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Frankreichs Luftwaffe hatte nach der Terrorserie in Paris massive Luftangriffe auf Stellungen der IS-Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Al-Rakka und im Umland der Stadt geflogen. Dutzende Familien hochrangiger IS-Anführer seien wegen der Angriffe aus Al-Rakka gebracht worden, erklärte die Beobachtungsstelle weiter.

Bombendrohungen

Zwei Flugzeuge der französischen Fluggesellschaft Air France wurden nach anonymen Drohungen auf Flügen von den USA nach Paris umgeleitet. Eine Maschine sei in Los Angeles gestartet und auf einen Flughafen in Salt Lake City gelotst worden. Eine zweite Maschine war von Washington nach Paris aufgebrochen, musste aber im kanadischen Halifax wieder landen.

In Deutschland verteidigten Bundesregierung und Sicherheitsbehörden die kurzfristige Absage des Fußball-Länderspiels Deutschland–Niederlande in Hannover am Dienstagabend. BKA-Präsident Holger Münch sagte: „Diese Absage war unvermeidlich, weil es einen ernst zu nehmenden Hinweis auf einen geplanten Anschlag gegeben hat.“

Präsident Hollande: Frankreich fliegt Luftangriffe auf IS-Hochburg.
Präsident Hollande: Frankreich fliegt Luftangriffe auf IS-Hochburg.
Schwer bewaffnete Spezialkräfte lieferten sich eine Schießerei mit Komplizen der Attentäter von Paris. Bilanz: acht Festnahmen, zwei Tote.
Schwer bewaffnete Spezialkräfte lieferten sich eine Schießerei mit Komplizen der Attentäter von Paris. Bilanz: acht Festnahmen, zwei Tote.