„Knebelungsparagraf“ zur Gesamtschule

18.11.2015 • 18:24 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Neumayer (l.) und Kapsch machten sich im Vorfeld der Reformpräsentation für eine intern differenzierte gemeinsame Schule stark. Foto: APA
Neumayer (l.) und Kapsch machten sich im Vorfeld der Reformpräsentation für eine intern differenzierte gemeinsame Schule stark. Foto: APA

Bildungsexperten
sehen verpasste
Möglichkeiten.

Wien. (VN) Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien hätte sich mehr Mut gewünscht. Er ortet bei der Bildungsreform lediglich punktuelle Veränderungen, die in Bestehendes eingebaut worden seien. Ihm zufolge hätte es Möglichkeiten zur Veränderung der Personalstrukturen oder echte Budgetautonomie für die Schulen geben können. Trotzdem würde jetzt endlich darüber gesprochen, „wo Unterricht gemacht wird“, erklärt Hopmann.

Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für Höhere Studien sieht bei der Schulverwaltung de facto eine Verländerung. Schließlich entscheide sich Politik im Vollzug. Dieser liege bei den geplanten Bildungsdirektionen bei den Ländern, sagt Lassnigg. Angesichts der Einschränkung bei den Modellregionen für die gemeinsame Schule auf höchstens 15 Prozent der Schulstandorte und Schüler in einem Bundesland spricht er von einem Knebelungsparagrafen. Gerade im Hinblick auf Signale aus Vorarlberg, sei die angestrebte Regelung nicht ideal.

Großer Diskussionsbedarf

In Bezug auf die gemeinsame Schule ortet auch Christoph Neumayer großen Diskussionsbedarf. Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung bezeichnet die Beschränkung auf 15 Prozent als „Affront“ gegenüber der Landesregierung Vorarlbergs, die diese Schulform gerne flächendeckend eingeführt hätte. Insgesamt aber seien die Pläne zur Reform deutlich mehr geworden als befürchtet.