Schach dem Terror und der Angst

Politik / 22.11.2015 • 22:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Umdenken nach Paris-Terror: Erdogan (l.) beim G20-Gipfel mit US-Präsident Obama und der deutschen Kanzlerin Merkel. Foto: AFP
Umdenken nach Paris-Terror: Erdogan (l.) beim G20-Gipfel mit US-Präsident Obama und der deutschen Kanzlerin Merkel. Foto: AFP

Das Liebäugeln der Türkei mit politmuslimischen Umstürzen ist vorbei.

Wien. Auch die Türkei ist seit den Schrecken von Paris und dem G-20-Gipfel tags darauf in Belek an ihrer Südküste nicht mehr dieselbe wie früher. Polizei und Geheimdienst greifen in der weitgefächerten Islamisten-Szene endlich hart durch. Mit Erfolg: An derselben türkischen Riviera wurde am Samstag ein in Belgien eingebürgerter Marokkaner verhaftet. Er steht im dringenden Verdacht, an der Seine geeignete, möglichst folgenschwere Orte für die kommenden Terrorattacken ausgekundschaftet zu haben.

Wieder einer der zuletzt so vielen Beweise dafür, dass der „Dschihadisten-Pfad“ über Istanbul und die türkisch-syrische Grenze zum „Islamischen Staat“ (IS) auch in umgekehrter Richtung fürs Einschleusen von in Raqqa geschulten Terroristen nach Europa dient. Vorbei das Liebäugeln des türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan mit politmuslimischen Umstürzlern jeder Art, um Ankaras neo-osmanischen Einfluss vom Euphrat bis an den Nil auszubreiten. In Ägypten konnte sich sein Freund Muhammad Mursi nicht lange an der Macht halten. Auch in Syrien erfüllten sich die türkischen Hoffnungen auf eine Ablösung des Assad-Regimes durch die Muslim-Brüder nicht. Deren „Al-Nusra“ wurde vom IS immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Da biederte sich Erdogan auch dieser Terrormiliz an. Damit ist es jetzt endgültig zu Ende. Sogar ein türkischer Einmarsch in das IS-Territorium dürfte nur mehr eine Frage weniger Tage sein.

Vernichtungskampf

Die Islamisten rächen sich mit Bedrohung der Flüge von Turkish Airlines. Andererseits scheinen die türkischen Sportfans zu den Islamisten zu halten: Auf die Störung der Schweigeminute für Paris beim Länderspiel mit Griechenland wurde jetzt in Ankara den Basketballerinnen aus Israel ihre Hymne niedergebuht. Vom UN-Sicherheitsrat bis zum 18. ASEAN-Gipfel in Kuala Lumpur ist sich die ganze Welt in Terrorbekämpfung mit allen Mitteln einig. In Fernost umso mehr, als das rätselhafte Verschwinden der Fluges 370 von Air Malaysia inzwischen als Vorspiel des späteren Globalterrors angesehen wird. In diesem spielt zuletzt neben dem IS nur noch Al-Kaida eine regionale Rolle, besonders im Jemen und Westafrika, wie der Angriff in Malis Hauptstadt Bamako gezeigt hat.

Die zivilisierte Welt wird gut beraten sein, in ihren Vernichtungskampf wider den Terror auch gemäßigte islamische Kräfte vom Schlag des aufrechten bosnischen Großmuftis Husein Kavazovic einzubeziehen. Sogar Militäraktionen von Muslimführungen gegen eigene Extremisten wären nichts Neues. Im 19. Jahrhundert sind Ägypten, die Türkei oder Persien gegen die saudischen Wahhabiten ins Feld gezogen, die für den damals gängigen Islam die brutalsten Außenseiter darstellten.

Eine Hauptwaffe der Terrorschlange ist die panische Angst, die sie ihren Opfern hypnotisch einjagt. Das übers Wochenende erstarrte Brüssel war ein erschreckendes Symptom dafür. Umso tapferer Papst Franziskus, der diese Woche unbeirrt von Boko Haram und Seleka nach Afrika fährt.