Belgien macht Jagd auf Terroristen

Politik / 23.11.2015 • 22:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Anspannung in Brüssel: Soldaten patroullieren auf dem Grand Place im Stadtzentrum. Schulen, Geschäfte und auch Märkte blieben geschlossen.  EPA
Anspannung in Brüssel: Soldaten patroullieren auf dem Grand Place im Stadtzentrum. Schulen, Geschäfte und auch Märkte blieben geschlossen. EPA

Maximale Warnstufe für Brüssel verlängert. England will Frankreich unterstützen.

Brüssel. Ein Land zwischen Terrorangst und Terroristenjagd: Während das öffentliche Leben in der Hauptstadt Brüssel am Montag unter dem Druck drohender Anschläge spürbar gelähmt war, intensivierte Belgiens Polizei die Fahndung nach Verdächtigen. Die Suche nach dem Franzosen Salah Abdeslam (26), Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris, blieb bis zum Abend ohne Erfolg. Bei Polizeieinsätzen am Sonntagabend und am Montag wurden insgesamt 21 Menschen festgenommen.

Belgiens nationales Krisenzentrum tagte am Mittag, um die Lage zu bewerten. Auf Basis dieser Empfehlung beschloss der nationale Sicherheitsrat aus Regierung, Polizei und Experten, die maximale Terrorwarnstufe 4 für Brüssel erneut zu verlängern. Diese Warnstufe gilt seit Samstagmorgen, weil die Behörden einen islamistischen Terroranschlag wie vor zehn Tagen in Paris befürchten. Das maximale Niveau solle bis kommenden Montag gelten, allerdings sollen Schulen und die U-Bahn bereits von Mittwoch an wieder langsam öffnen. Im Rest Belgiens gilt weiter die zweithöchste Stufe 3.

U-Bahn blieb geschlossen

Den dritten Tag in Folge blieb die U-Bahn in Brüssel am Montag komplett geschlossen, es fuhren nur Busse und Straßenbahnen. Zu Beginn der Arbeitswoche waren Schulen, Universitäten, Schwimmbäder und Kindergärten geschlossen. Viele Einkaufszentren, große Geschäfte, Supermärkte, Banken und große Versicherungen blieben ebenfalls zu. Märkte und Sportereignisse waren abgesagt. Viele Unternehmen empfahlen ihren Mitarbeitern, von zu Hause zu arbeiten. Die Brüsseler EU-Institutionen waren geöffnet, allerdings galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen und Personenkontrollen.

Der Hauptverdächtige Salah Abdeslam soll an den Anschlägen in Paris am 13. November mit 130 Toten und Hunderten Verletzten beteiligt gewesen sein. „Die Operation ist noch nicht beendet, sie muss weitergehen“, sagte der belgische Innenminister Jan Jambon dem Sender VRT.

Weitere Angriffe in Syrien

Die französischen Streitkräfte flogen derweil im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wieder Lufteinsätze vom Flugzeugträger Charles de Gaulle aus, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Montag. Das Schiff war nach den Anschlägen ins östliche Mittelmeer geschickt worden, um von dort aus den Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak zu unterstützen.

Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Premier David Cameron gedachten vor dem Konzertsaal „Bataclan“ in Paris der Opfer der Terrorserie. Das Treffen war für Hollande der Auftakt zu einer Woche intensiver diplomatischer Bemühungen. Der Staatschef will eine breite internationale Koalition gegen die IS-Terrormiliz schmieden. Dazu besucht Hollande an diesem Dienstag auch US-Präsident Barack Obama und am Donnerstag den russischen Staatschef Wladimir Putin. Cameron sagte Frankreich Unterstützung zu. Er möchte die britischen Luftschläge gegen den IS auch auf Syrien ausweiten. Dies müsse aber zuerst das britische Parlament entscheiden. Cameron bot an, dass französische Flugzeuge für ihren Kampf gegen die IS-Milizen die britische Luftwaffenbasis Akrotiri auf Zypern nutzen können.

Der Kampf gegen den islamistischen Terror wird die Welt nach Ansicht des deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier enger zusammenrücken lassen. Er verwies auf die einstimmig verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen den IS. An die arabische Welt appellierte Steinmeier, „dem islamistischen Terrorismus den ideologischen Nährboden zu entziehen“.

Staatstrauer in Bamako

Nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel in Bamako am Freitag begann unterdessen im westafrikanischen Mali eine dreitägige Staatstrauer. In Hotels und auf öffentlichen Plätzen wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Auch die Nachbarländer Senegal, Guinea und Mauretanien gedachten am Montag der 19 Todesopfer der Geiselnahme. Die malischen Sicherheitskräfte fahndeten weiter nach Komplizen der beiden Terroristen, die bei dem Anschlag ums Leben gekommen waren. Berichten zufolge bekannten sich zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen zu dem Anschlag.

Die Operation ist noch nicht beendet, sie muss weitergehen.

Jan Jambon