Beate Zschäpe leugnet Beteiligung an Morden

Politik / 09.12.2015 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zschäpe begrüßt ihren Anwalt Mathias Grasel vor der Verhandlung im Münchner Gerichtssaal. Foto: EPA
Zschäpe begrüßt ihren Anwalt Mathias Grasel vor der Verhandlung im Münchner Gerichtssaal. Foto: EPA

Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess hat erstmals ihr Schweigen gebrochen.

münchen. Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate
Zschäpe hat jede Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) bestritten. Sie will nicht einmal Mitglied der Terrorgruppe gewesen sein. Am Mittwoch ließ Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel vor dem Oberlandesgericht München eine 53-seitige Aussage verlesen.

„Waren meine Familie“

Sie beteuert darin, dass sie von den Morden ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren habe und darüber entsetzt gewesen sei. Trotzdem habe sie die beiden nicht verraten wollen. „Die beiden waren meine Familie“, heißt es in ihrer Aussage. Auch will Zschäpe kein Mitglied der Terrorgruppe gewesen sein. Sie sei im juristischen Sinne unschuldig, beteuerte jedoch: „Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte.“ Zschäpe bat die Opfer des NSU und deren Angehörige um Entschuldigung.

Die 40-Jährige muss sich in dem Prozess als Mittäterin an den Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Der Gruppe werden zwischen den Jahren 2000 und 2007 zehn Morde zur Last gelegt. Neun türkisch- und griechischstämmige Personen und eine Polizistin starben. Dazu kommen zwei Sprengstoffanschläge und mehrere Banküberfälle. Von letzteren habe Zschäpe gewusst, aber nicht im Detail.

Polizei und Geheimdienste waren dem NSU jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Im November 2011 war das Trio nach einem Banküberfall in Eisenach aufgeflogen. Zschäpes Komplizen Mundlos und Böhnhardt töteten sich nach bisherigen Erkenntnissen damals selbst, um einer Festnahme zu entgehen. Zschäpe gestand, an diesem Tag die Fluchtwohnung der Gruppe in Zwickau in Brand gesetzt zu haben. Anschließend sei sie planlos vier Tage durch Deutschland gefahren, bevor sie sich der Polizei gestellt habe. Seit 2013 steht sie vor Gericht.

„Lügenkonstrukt“

Angehörige der NSU-Opfer und deren Anwälte reagierten verärgert auf Zschäpes Erklärung. „Dieser Aussage glaube ich kein Wort“, sagte etwa Gamze Kubasik, Tochter des 2006 in Dortmund ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik. Opferanwalt Mehmet Daimagüler warf der Angeklagten vor, sie habe ein „Lügenkonstrukt“ vorgelegt. Das Gericht will die Aussage nun aufarbeiten – und Fragen stellen. Die wollen Zschäpe und ihre Anwälte schriftlich beantworten.

Stichwort

NSU. Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe aus Jena tauchten nach einer Razzia in ihrer Bombenwerkstatt 1998 ab und gründeten eine Terrorgruppe, die sich später „Nationalsozialistischer Untergrund“ nannte. Zwischen 2000 bis 2007 soll das Trio zehn Menschen getötet haben, neun davon mit ausländischer Herkunft.