Der gekaufte US-Präsident

Politik / 10.01.2016 • 22:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In den Vereinigten Staaten wird gerade wieder vorgeführt, wie einfach Macht und Einfluss – und damit Politiker jeglicher Couleur – zu kaufen sind. Für gigantische Summen und auch für Kleingeld.

Für Menschen außerhalb des Landes der unbeschränkten und manchmal ziemlich beschränkten Möglichkeiten ist das aber nicht nur zum Gruseln. Es darf auch nachdrücklich vor Nachahmung gewarnt werden. Da zieht gegenwärtig der garantiert unbestechliche US-Präsident Barack Obama durch die Gegend, um in Versammlungshallen für eine klitzekleine Verschärfung der überbordend libertinösen US-Waffengesetze zu werben. Damit es für potenzielle US-Massenmörder ein bisschen schwieriger werden soll, sich ungehindert mit Maschinengewehren und anderem Schießzeug einzudecken. Worauf der mehrere Millionen Mitglieder zählende und von Waffenherstellern mit Millionen gesponsorte Privatschießeisenverein NRA sofort etliche US-Parlamentarier kaufte. Erst einmal zum Nulltarif und mit der Drohung: „Wenn ihr gegen den Obama-Unsinn nicht alle parlamentarischen Hebel in Bewegung setzt, machen wir im nächsten Wahlkampf so viel Werbung gegen euch, dass ihr euch eine richtige Arbeit suchen müsst.“

Sachdienliche Versprechungen der Bedrohten kamen postwendend von republikanischen Volksvertretern und auch ein paar aus der Obama-Partei. Das richtig große Politiker-Kauf-Rad drehen ein paar Mitglieder der amerikanischen Milliardärs-Fraktion. Mit so viel Spendengeld wie nie zuvor wollen sie gleich das Präsidentenamt kaufen. Für einen willfährigen Präsidentendarsteller, der dann so regiert, wie es sich die Gönner wünschen. Kasino-König Sheldon Adelson ist der „Spaß“ diesmal wieder 100 Millionen Dollar wert. Die Milliardärs-Brüder Charles und David wollen sich die Vertretung ihrer Interessen gleich eine runde Milliarde Dollar (916 Millionen Euro) kosten lassen. Im Bieter-Rennen sind dazu noch weitere Groß-Reiche mit einem Spendentopf, in dem sich schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar befinden.

Die Koch-Brüder haben der republikanischen Bewerbertruppe, öffentlich im Fernsehinterview eingestanden und nicht etwa hinter vorgehaltener Hand, eine detaillierte Aufstellung von zu versprechenden Entscheidungen in die Hände gedrückt. Alle Umworbenen sagten die Erfüllung der meisten, aber nicht aller Forderungen eilfertig zu. Die Brüder haben deshalb bislang auch erst 20 Millionen Dollar an Nachdenkhilfe ausgezahlt. Aber das kann sich sehr schnell ändern. Immobilienhai Donald Trump fabuliert dazu, dass er auch eine Milliarde Dollar aus seiner Portokasse lockermachen könnte, um sich selbst ins Weiße Haus einzukaufen.

Mit einer funktionierenden Demokratie, mit dem hehren Anspruch von Volkes Wille und „one man, one vote“ hat das alles nicht mehr viel zu tun. Und jetzt darf es Nicht-Amerikaner wieder gruseln: Denn welche Politik, welche Vertretung von welchen Interessen darf der Rest der Welt von auf diese Weise möglicherweise ins amerikanische Regierungsamt kommenden buchstäblichen Interessenvertretern erwarten?

Sachdienliche Versprechungen der Bedrohten kamen postwendend.

Peter W. Schroeder, Washington