Kein Patentrezept für mehr Gleichstellung

Politik / 07.03.2016 • 22:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Frauen fordern jedes Jahr am 8. März ihre soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung.   APA
Frauen fordern jedes Jahr am 8. März ihre soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung.   APA

32-Stunden-Woche und richtiger Papamonat wären ein guter Schritt, meint Autorin Feigl.

Wien. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht nur ein Frauenthema. Das traditionelle Rollenbild betreffe schließlich auch die Männer, meint Autorin Susanne Feigl, die 2014 den Vorarlberger Bericht zur Gleichstellung von Männern und Frauen verfasst hatte. „Sobald Kinder da sind, arbeiten Männer mehr. Sie machen zusätzliche Überstunden und werden bei den Familien oft als Randexistenz gesehen“, sagt sie. Diese Rolle stamme aus einem traditionellen Bild, das nicht mehr zeitgemäß sei und auch für Frauen Nachteile berge. „Das Bildungsniveau der Frauen ist höher als jenes der Männer“, hält Feigl im Gespräch mit den VN fest. Würde ihnen alleine die Rolle der Kinderbetreuung zugeschrieben, gehe viel zu viel Potenzial verloren. Heute befinden sich Frauen selten in leitenden Positionen. Und wenngleich immer mehr erwerbstätig sind, arbeiten sie meist in Teilzeitjobs sowie in eher schlechter bezahlten Branchen. Mit einer Lohnschere von 22,9 Prozent pro gearbeiteter Stunde befindet sich Österreich laut Eurostat unter den EU-Ländern an zweitletzter Stelle. 

Falle Teilzeitjob 

Mehr als zwei Drittel der Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sind in einem Teilzeitjob beschäftigt, bei den Männern sind es laut Statistik Austria 5,6 Prozent. Dies wirkt sich auf die Entwicklung der Einkommen aus: „Bei Männern gehen sie kontinuierlich nach oben. Frauen erleben mit der Familiengründung Einbrüche, die sie meist nicht mehr aufholen können“, sagt Feigl. Und das wiederum schlägt sich, je nach dem wie lange die Frauen ihre Berufstätigkeit unterbrechen, auf die Karriereleiter, die Bezahlung und schließlich auf die Höhe der Pension durch. Laut der Autorin gibt es keine Patentlösung, um zu mehr Gleichstellung zu kommen. Schließlich seien die Familien unterschiedlich. Es könne aber nicht lediglich als Frauenproblem gesehen werden, bei dem die Männer außen vor bleiben, meint sie. Beide Seiten müssten berücksichtigt werden. „Ohne Arbeitszeitverkürzung kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es eine wirklich akzeptable Situation für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt“, sagt Feigl. Möglich wäre ihr zufolge zum Beispiel eine 32-Stunden-Woche für Väter und Mütter von Kindern bis 15 Jahre.

Das Familienressort verfolgt das Ziel, die Männer schon in den ersten Monaten nach der Geburt ihrer Kinder verstärkt in die Kinderbetreuung zu bringen. Derzeit beziehen rund 18 Prozent der Väter Kinderbetreuungsgeld. Einer Studie der Arbeiterkammer zufolge sind 70 Prozent der zuvor erwerbstätigen Männer spätestens nach drei Monaten wieder berufstätig.

Rechtsanspruch offen

Mit der Kindergeldreform sollen weitere Anreize für Väter geschaffen werden, länger in Karenz zu bleiben. Ob es bei dem vorgesehenen Papa­monat, nun Familienzeit genannt, zu einem Rechtsanspruch und arbeitsrechtlichem Schutz kommt, ließ Familienministerien Sophie Karmasin (ÖVP) offen. Dies hatte Frauenministerin Heinisch-Hosek gefordert, die Wirtschaft jedoch abgelehnt. Autorin Susanne Feigl glaubt, dass der Papamonat ohne Rechtsanspruch wenig Sinn machen würde. Er könnte wohl als „Good will“-Aktion scheitern und nur von wenigen genutzt werden.

Das traditionelle Rollenbild birgt Nachteile für Frauen.

Susanne Feigl

Stichwort

Internationaler Frauentag. Am 8. März fordern weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen. Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Österreich-Ungarn, Deutschland, der Schweiz und Dänemark organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert. 1977 erkannte die UN-Generalversammlung den 8. März als Internationalen Frauentag an.