Die Lage an der Grenze spitzt sich zu

Politik / 11.04.2016 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze weigern sich, in offizielle Aufnahmelager zu gehen. Ihre Lage wird immer verzweifelter. AFP
Die Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze weigern sich, in offizielle Aufnahmelager zu gehen. Ihre Lage wird immer verzweifelter. AFP

Griechischer Minister warnt vor der Radikalisierung der Migranten bei Idomeni.

athen. Die Lage im wilden Flüchtlingslager bei Idomeni stehe „auf Messers Schneide“, sagt der Bürgermeister der Region, Christos Goudenoudis. Regierungschef Alexis Tsipras charakterisierte den Einsatz von Gummigeschossen seitens der mazedonischen Polizei am Sonntag als eine Schande für die europäische Kultur.

„Dschihadisten von morgen“

Der Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, warnte vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Leute, die man heute schlage, „könnten die Dschihadisten von morgen“ sein, sagte er im Nachrichtensender Skai. Der Umgang mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. Islamische Extremisten könnten unter den verzweifelten Menschen Mitkämpfer rekrutieren.

Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte. Die mazedonische Polizei setzte Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse ein. Die Sicherheitskräfte seien in schändlicher Weise gegen die Flüchtlinge an der griechischen Seite der Grenze vorgegangen, sagte Tsipras am Montag nach einem Treffen mit dem portugiesischen Regierungschef Antonio Costas in Athen.

Hinter den Aktionen der Migranten sehen die griechischen Behörden sogenannte Aktivisten, die die Menschen immer wieder anstacheln, Gewalt anzuwenden und Ausschreitungen zu provozieren, damit die Welt auf ihr Elend aufmerksam wird. 

Bei den Auseinandersetzungen seien mindestens 300 Migranten und 23 mazedonische Polizisten verletzt worden, teilten Behörden und humanitäre Organisationen mit. Auch der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos kritisierte das Vorgehen der mazedonischen Polizei gegen Migranten scharf. Die Vorfälle am Sonntag am griechisch-mazedonischen Grenzzaun seien unvorstellbar und unzulässig, sagte er. „Mit solchem Verhalten gegen Flüchtlinge hat das Nachbarland weder Platz in der EU, noch in der Nato“, so Pavlopoulos.

Unterstützung bekommt Mazedonien aktuell auch von neun österreichischen Polizisten. Deren Aufgabe sei jedoch nicht der Grenzschutz, sondern die Registrierung von ankommenden Flüchtlingen, sagte Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck auf APA-Anfrage.

Neuer Protest

Die Migranten weigerten sich auch am Montag, in die offiziellen Aufnahmelager zu gehen. Sie wollen ihre Weiterreise nach Mitteleuropa erzwingen. Rund 200 von ihnen gingen erneut zum Zaun. Die Demonstration verlief friedlich, wie Reporter vor Ort berichteten. Der Bürgermeister der Region forderte die Evakuierung des Camps bis Ende des Monats, um größeres Elend zu verhindern. In Idomeni sitzen mehr als 11.000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan abgeriegelt worden ist.