Salah Abdeslam nach Frankreich ausgeliefert

Politik / 27.04.2016 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Salah Abdeslam wurde im März im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen.  Foto: AP
Salah Abdeslam wurde im März im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen. Foto: AP

Terrorverdächtiger soll in einem Gefängnis bei Paris in Isolationshaft untergebracht werden.

brüssel. (VN) Belgien hat den mutmaßlichen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam nach Frankreich ausgeliefert. Der 26-jährige Islamist wurde am Mittwochmorgen den französischen Behörden übergeben, wie die Bundesstaatsanwaltschaft in der belgischen Hauptstadt Brüssel mitteilte. „Salah Abdeslam ist heute den französischen Behörden übergeben worden“, erklärte später auch die Pariser Staatsanwaltschaft. Abdeslam ist einer der Hauptverdächtigen nach der Pariser Terrorwelle vom 13. November. 130 Menschen wurden damals bei Angriffen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet.

Flucht nach Belgien

Nach den Anschlägen in der französischen Hauptstadt war es Abdeslam zunächst gelungen, nach Belgien zu fliehen. Am 15. März entkam er nach einem Feuergefecht mit der Polizei ein weiteres Mal, wurde drei Tage später aber im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst und verhaftet. Der Terrorverdächtige soll nun in einem französischen Gefängnis unter maximalen Sicherheitsvorkehrungen isoliert untergebracht werden. Der 26-Jährige werde im Großraum Paris inhaftiert, kündigte Justizminister Jean-Jacques Urvoas an. Unbestätigt blieben zunächst Informationen, wonach es das Gefängnis in Fleury-Merogis südlich von Paris sei.

Rolle umstritten

Zuvor war noch eine Anhörung vor dem Untersuchungsrichter angesetzt, bei der das Ermittlungsverfahren gegen den Franzosen mit marokkanischen Wurzeln offiziell eingeleitet werden sollte. Seine Rolle bei den Anschlägen gilt als umstritten. Nach der Darstellung der Behörden war der in Belgien geborene Franzose Abdeslam seit frühester Kindheit mit dem später getöteten mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, befreundet.

Zu den sieben Selbstmord­attentätern, die sich in der französischen Hauptstadt in die Luft gesprengt hatten, zählte nach offiziellen Angaben auch sein Bruder Brahim Abdeslam. Salah hatte offenbar Autos und Verstecke gemietet und Material für Sprengsätze gekauft, auch soll er drei der Attentäter zum Stadion Stade de France gefahren haben. Der 26-Jährige sei dort auch selbst für ein Selbstmordattentat vorgesehen gewesen, hatte es aber nicht ausgeführt. Er könnte damit der einzige überlebende Attentäter sein. Die Behörden gehen davon aus, dass diesselbe Terrorzelle auch für die Anschläge in der belgischen Hauptstadt Brüssel verantwortlich war. Am 22. März, wenige Tage nach Abdeslams Verhaftung, rissen drei Selbstmordattentäter bei Explosionen am Flughafen und in einer U-Bahn-Station 32 Menschen mit in den Tod. Es bleibt unklar, ob Abdeslam diese Anschläge ebenfalls mit vorbereitet hat.

Opferanwältin Samia Maktouf erklärte am Mittwoch, sie erwarte keine wirkliche Zusammenarbeit des Islamisten mit den Behörden. Sie hoffe aber, dass die Verhöre neue Elemente bringen, um Anwerber und Finanzierer der für die Anschläge verantwortlichen Islamistenzelle zu identifizieren. Der französische Anwalt Frank Bertin gab gegenüber dem Sender iTele bekannt, dass er Abdeslam verteidigen werde. Der Verdächtige sei ein junger Mann, der kurz vor dem Zusammenbruch stehe und bereit sei, zu kooperieren.

„Eher Mitläufer“

Abdeslams bisheriger Anwalt in Belgien, Sven Mary, sieht in seinem früheren Mandaten eher einen Mitläufer als einen Anführer. In der französischen Zeitung „Libération“ sprach er von einem Terroristen der „Intelligenz eines leeren Aschenbechers“. Er habe Abdeslam gefragt, ob er den Koran gelesen habe. „Er hat mir geantwortet, dass er eine Interpretation des Islam im Internet gelesen hat. Für einfache Geister ist das perfekt, das Netz“, wird der Anwalt zitiert.