Über 100 Tote bei blutiger Anschlagsserie in Syrien

Politik / 23.05.2016 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sieben Sprengsätze gingen in den beiden Städten Tartous und Jableh offenbar fast zeitgleich hoch.  Foto: Reuters
Sieben Sprengsätze gingen in den beiden Städten Tartous und Jableh offenbar fast zeitgleich hoch. Foto: Reuters

IS-Bekennerschreiben aufgetaucht. Alawitische Gegenden betroffen.

damaskus, moskau. Bei mehreren Anschlägen in den von Regierungstruppen kontrollierten Küstengebieten Syriens sind Aktivisten zufolge mindestens 153 Menschen getötet worden. Mindestens 103 Menschen seien in der Stadt Jableh umgekommen, mindestens 50 Menschen in Tartous, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit. Zudem seien mehr als 200 Menschen verletzt worden, einige davon schwer. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA bestätigte die Explosionen.

Bekennerschreiben

Im Internet kursierte ein Bekennerschreiben der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dieses konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Den Menschenrechtsbeobachtern zufolge waren es insgesamt sieben Explosionen; zwei Autobomben und fünf Selbstmordattentate. Dabei handelte es sich demnach um Anschläge auf Taxi- und Bushaltestellen in beiden Küstenstädten sowie eine Elektrizitätsfirma und die Notaufnahme eines Krankenhauses in Jableh. Unter den Toten seien Mitarbeiter des Krankenhauses und der Elektrizitätsfirma sowie mehrere Kinder gewesen.

Jableh befindet sich nur wenige Kilometer entfernt von der russischen Luftwaffenbasis Hamaimim, dem Dreh- und Angelpunkt für Russlands militärisches Eingreifen in Syrien zugunsten von Machthaber Baschar al-Assad. Zudem wird der Hafen von Tartous seit Jahren unter anderem von der russischen Marine genutzt. Russland ist einer der engsten Verbündeten der Führung in Damaskus. Der russische Präsident Wladimir Putin nannte die Anschläge in einem Telegramm an Assad barbarisch und unmenschlich. Er versprach dem syrischen Machthaber weitere Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus. Zuvor hatte der Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow, gesagt, die Terrorakte zeigten die instabile Lage in Syrien. Berichte, denen zufolge Russland sein militärisches Kontingent in Syrien nach einem Teilabzug wieder aufstocken könnte, kommentierte er nicht.

Alawiten als Ziel

„Kämpfer des Islamischen Staates haben alawitische Gegenden von Jableh und Tartous an der syrischen Küste angegriffen“, hieß es in dem von IS-Anhängern verbreiteten Schreiben. In beiden Städten leben viele Alawiten. Diese Religionsgruppe ist eine Minderheit in Syrien, der auch al-Assad angehört. Zudem leben viele Binnenflüchtlinge in Tartous und Jableh. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes kritisierte vor allem den Anschlag auf das Spital in Jableh scharf. „Es gibt keine Berechtigung dafür“, teilte die Organisation mit. „Krankenhäuser sind keine Zielscheibe.“ Im syrischen Bürgerkrieg waren diese Explosionen den Menschenrechtsbeobachtern zufolge die verheerendsten Anschläge in der Region.