Der tödliche Anschlag erschüttert Israelis

Politik / 09.06.2016 • 22:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Gedenken an die Opfer des Anschlags zweier Palästinenser zünden Passanten beim Café Max Brenner Kerzen an. Foto: afp
Im Gedenken an die Opfer des Anschlags zweier Palästinenser zünden Passanten beim Café Max Brenner Kerzen an. Foto: afp

Nach Attentat in Tel Aviv reagiert die Regierung mit Verstärkung der Truppen und Einreiseverboten.

tel aviv, jerusalem. (VN) Nach dem tödlichen Anschlag in Tel Aviv verstärkt Israel sein Militär im Westjordanland. Zudem wird während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mehr als 80.000 Palästinensern die Einreise verboten.

Das Attentat hatte sich am Mittwochabend in der Nähe des bei Touristen und israelischen Soldaten beliebten Sarona-Parks ereignet, der von Cafés und Restaurants umgeben ist. Die beiden Angreifer – sie sind Cousins und beide um die 20 Jahre alt – trugen Anzug und Krawatte und saßen im Café Max Brenner, bevor sie das Feuer auf andere Cafébesucher eröffneten und dann aus dem Park rannten. Einer von ihnen wurde von einem Polizisten mit Schüssen verletzt, der andere unverletzt gefasst. Beide wurden festgenommen.

Militär zerstört Haus

Die mutmaßlichen Täter stammen aus dem Dorf Jatta bei Hebron im Westjordanland, einem Brennpunkt der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern in den vergangenen Monaten. Das israelische Militär teilte mit, es habe 204 Verwandten der Attentäter die Arbeitserlaubnis entzogen. Palästinenser würden davon abgehalten, Jatta zu verlassen oder zu betreten. Zudem traf das Militär Vorbereitungen, das Haus eines der Attentäter zu zerstören.

Einem Armeesprecher zufolge würden auf den Anschlag hin Infanterie- und Elite-Aufklärungseinheiten ihre Truppen im Westjordanland verstärken. Es handle sich um „Hunderte“ Soldaten, hieß es weiter, ohne diese Zahl weiter zu spezifizieren.

Die für zivile palästinensische Angelegenheiten zuständige israelische Verteidigungsbehörde Cogat teilte mit, 83.000 Reisegenehmigungen für Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen seien widerrufen worden. Dabei gehe es um Familienbesuche in Israel, die Teilnahme an Ramadan-Gebeten in der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem oder um Reisen ins Ausland über den Flughafen von Tel Aviv, teilte Cogat mit. Israels Regierung hat bislang die Reisegenehmigungen als Geste des guten Willens gegenüber den Palästinensern betrachtet.

In Tel Aviv selbst wurde laut dem Polizeisprecher Micky Rosenfeld die Zahl der Polizisten erhöht, vor allem rund um die zentrale Busstation und Bahnhöfe. Die Israelis kehrten jedoch schnell wieder zur Routine zurück: Der Außenbereich des vom Attentat betroffenen Cafés Max Brenner war am Donnerstagmorgen bereits wieder  geöffnet.

Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Attacke als „kaltblütigen Mord durch verabscheuungswürdige Terroristen“ bezeichnet. Der neue und als Hardliner bekannte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman besuchte den Tatort und sagte, er werde noch nichts über die Konsequenzen sagen, aber er sei sicher, dass er nicht die Absicht habe, es bei Worten zu belassen.

Abbas verurteilt Attacken

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Attacken auf die Zivilbevölkerung generell verurteilt. Er habe „wiederholt jegliche Angriffe auf Zivilisten abgelehnt, unabhängig davon, wer dahinter stand und aus welchen Gründen“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Wafa. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hatte indes die Angreifer gelobt, allerdings keine Verantwortung für die Attacke übernommen. Die Organisation kündigte weitere „Überraschungen“ für die „Zionisten“ während des muslimischen Fastenmonats Ramadan an.

Der Anschlag hat die Illusion vieler Israelis, die im Oktober begonnene palästinensische Gewaltwelle sei wieder abgeebbt, zerstört.