Islamist tötete Polizist

Politik / 14.06.2016 • 23:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Polizisten bewachen den Tatort vor dem Haus ihres getöteten Kollegen in Magnanville bei Paris.   Foto: AP
Polizisten bewachen den Tatort vor dem Haus ihres getöteten Kollegen in Magnanville bei Paris.  Foto: AP

Täter wird bei Geiselnahme von Eliteeinheiten erschossen. Hollande spricht von  „Terrorakt“.

paris. (VN) Während der Fußball-EM in Frankreich hat ein einschlägig vorbestrafter Islamist einen Polizisten und dessen Ehefrau getötet. Das dreijährige Kind des Ehepaars ist unverletzt geblieben.

Der 25-jährige Larossi Abballa, der bereits wegen dschihadistischer Umtriebe zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, erstach am Montagabend zunächst den in Zivil gekleideten 42-jährigen Polizisten vor dessen Wohnhaus in Magnanville bei Paris. Nach Zeugenberichten habe er dabei „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen.

Danach nahm er die Ehefrau und das Kind des Polizisten als Geisel und verschanzte sich im Haus der Familie. Weil Verhandlungen mit dem Mann erfolglos blieben, stürmten Sondereinheiten der Polizei das Haus und töteten dabei den Angreifer, wie das Innenministerium mitteilte. Die Frau des getöteten Polizisten – sie war Sekretärin in einem nahegelegenen Polizeirevier – wurde tot aufgefunden. Sie hatte eine Wunde am Hals. Der dreijährige Sohn des Paars überlebte „unter Schock, aber äußerlich unverletzt“.

Noch in der Nacht übernahm die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen. Präsident François Hollande hielt am frühen Dienstagmorgen eine Krisensitzung mit Premier Manuel Valls und wichtigen Ministern und Beratern ab. Innenminister Bernard Cazeneuve sprach anschließend von einer „niederträchtigen Terrortat“. Hollande selbst sagte, die Attacke habe zweifellos einen terroristischen Hintergrund.

Hinweise auf ein islamistisches Motiv hatte es schon sehr schnell gegeben: Während der Geiselnahme bekannte sich Abballa, der aus der an Magnanville angrenzenden Gemeinde Mantes-la-Jolie stammt, in Verhandlungen mit der Polizei zur IS-Miliz. Auch der IS erklärte, die Tat sei von einem seiner Kämpfer verübt worden: „Kämpfer des Islamischen Staats tötet Vizechef der Polizeistation von Les Mureaux und seine Frau mit Stichwaffen nahe Paris“, verkündete das IS-Sprachrohr Amaq nach Angaben des auf die Auswertung islamistischer Internetseiten spezialisierten Unternehmens SITE. 

Drei Jahre Haft

Der Attentäter von Magnanville war schon 2013 wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, heißt es aus Ermittlerkreisen. Er wurde zusammen mit sieben anderen Angeklagten wegen Zugehörigkeit zu einer französisch-pakistanischen Dschihadisten-Gruppe verurteilt. Zuletzt stand er wegen einer Gruppe mit Verbindungen nach Syrien im Visier der Ermittler.

Seit den islamistischen Terroranschlägen vom 13. November 2015, bei denen 130 Menschen starben, herrscht in ganz Frankreich der Ausnahmezustand. Insbesondere während der Fußball-EM wurden weitere Attacken von Islamisten befürchtet.

Anschläge in Frankreich seit ,,Charlie Hebdo“

7. Jänner 2015: Die Islamisten Cherif und Said Kouachi erschießen bei der Attacke auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris zwölf Menschen.

19. April 2015: Der algerische Student Sid Ahmed Ghlam soll einen Anschlag auf eine Kirche geplant und eine Frau erschossen haben. Er wird in Paris festgenommen.

26. Juni 2015: Yassin Salhi enthauptet seinen Chef und legt dessen Kopf neben islamistischen Flaggen an den Zaun eines Gaslagers nahe Lyon. Dann bringt er Gasflaschen zur Explosion. Im Gefängnis nimmt er sich das Leben.

21. August 2015: In einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris wird von mitreisenden US-Soldaten ein Blutbad verhindert, das Ayoub El Khazzani geplant hatte.

13. November 2015: Bei nahezu zeitgleichen Attacken auf die Pariser Konzerthalle Bataclan, eine Reihe von Bars und Restaurants und das Stade de France in der Pariser Vorstadt Saint-Denis während eines Länderspiels Deutschland-Frankreich töten Islamisten 130 Menschen. Der IS bekennt sich dazu.

7. Jänner 2016: Am Jahrestag des „Charlie Hebdo“-Anschlags attackiert ein Mann ein Pariser Polizeirevier mit einem Metzgerbeil und wird von Beamten erschossen.

13. Juni 2016: Ein vorbestrafter Islamist tötet in Magnanville bei Paris einen Polizisten und seine Ehefrau.