Gröpaz Trump

Politik / 24.07.2016 • 22:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Parteitag der Republikaner ist vorbei und Donald J. Trump, ihr An-Führer bei der Präsidentschaftswahl im November, hat gesprochen. Das Fazit seiner eineinviertelstündigen Rede im Sportpalast von Cleveland ist flink geschrieben. Etwa so: Was der Selbstverliebte als Präsident vorhat, weiß er augenscheinlich selbst noch nicht. Und das wär’s dann auch schon für einen Kommentar.

Na ja, es gab da ein paar Ausreißer, die besser auf die „Bunten Seiten“ als in den Politikteil jeder Zeitung passen. Zum Beispiel, dass Melania Trump, Ehefrau Nummer drei des Kandidaten, ihre Parteitagsrede teilweise bei einer Rede der gegenwärtigen First Lady Michelle Obama abgekupfert hat. Oder dass andere Parteitagsgänger die standrechtliche Erschießung oder das öffentliche Aufknüpfen von Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton auf der Washingtoner Flaniermeile „Mall“ verlangten. New-Jersey-Gouverneur Chris Christie feuerte die Parteitagsdelegierten schon sehr zurückhaltend zum zigmal wiederholten Schlachtruf „Hillary in den Knast“ an. Festredner Ben Carson identifizierte die mutmaßliche nächste US-Präsidentin als „Kompagnon des Teufels“.

Also, unterhaltsam war der Parteitag schon. Und bevor die Delegierten hüfthoch mit 120.000 Luftballons und sehr viel Lametta eingedeckt wurden, verkündete der republikanische Frontmann sein Regierungsprogramm: „Ich werde ein Law-and-Order-Präsident sein.“ Wortgleich hatte das 1968 auf dem Republikaner-Parteitag schon Richard Nixon postuliert. Wie die Sache ausging, ist ja bekannt. Trump will dabei eine „Ära des Amerikanismus statt Globalismus“ einleiten. Klingt nach „Amerika über alles“ und ist wohl auch so gemeint.

Und wie soll das aussehen? Er will Amerika (womit die USA gemeint sind) aus dem apokalyptischen Tal holen und „wieder groß und stark und stolz“ machen und „sicherer“ und „besser“. Er will zudem die ISIS-Terroristen besiegen, die illegalen Einwanderer deportieren, keine bösen Muslims ins Land lassen, die Steuern senken, die rechte Ordnung wieder herstellen und natürlich eine ganz lange Mauer zwischen den USA und Mexiko hochziehen (und den Mexikanern dafür die Rechnung schicken).

Und wie will der Wunderheiler das alles bewerkstelligen? So im Einzelnen? Das verriet er seinen Jubeldelegierten nicht. Nur so viel: „Niemand kennt das System so gut wie ich. Und deshalb kann nur ich es retten.“ So, jetzt wissen wir es, oder auch nicht: Trump ist ein Gröpaz. Der „größte Präsidentschaftskandidat aller Zeiten“. So etwas von dieser Art hat es im fernen Europa schon mal gegeben. Und wie die dortige Größenwahnsinnssache ausging, ist ebenfalls bekannt.

Bevor wir uns jetzt mehrheitlich vor einem Westentaschendespoten und Verkünder nationalistischer und isolationistischer Phrasen ängstigen: Die republikanischen Parteitagsdelegierten repräsentierten nicht US-Volkesstimme, sondern nur eine Minderheit. Umfragen zufolge begeistert er nicht einmal die Hälfte aller Republikanerfreunde unter den Wählern. Die Mehrheit der Wahlberechtigten hält Hillary Clinton für die bessere Wahl. Auch das ist eine Botschaft vom Republikanerparteitag in Cleveland. Sie beruhigt.

Was der Selbstverliebte als Präsident vorhat, weiß er augenscheinlich selbst noch nicht.

Peter W. Schroeder, Washington