Deutschland im Schockzustand

25.07.2016 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bombenattentat in Ansbach war dritte Bluttat in Bayern innerhalb von einer Woche.

ansbach, berlin. Das Bombenattentat im fränkischen Ansbach hat nach bisherigen Erkenntnissen der Landesregierung in München einen islamistischen Hintergrund. Darauf deuteten, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zufolge, die Umstände der Tat eines syrischen Flüchtlings „schon sehr“ hin.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Tat umgehend für sich reklamiert. Ihrem Internet-Sprachrohr Amak zufolge sei der Attentäter ein Soldat des Islamischen Staates gewesen. Deutschlands Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) meinte dazu am Montag: „Ein Bezug zum internationalen Terrorismus des sogenannten Islamischen Staates ist aus meiner Sicht ebenso wenig auszuschließen wie das Vorliegen einer besonderen Labilität dieser Persönlichkeit oder eine Kombination von beidem.“

Der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Flüchtling aus der syrischen Stadt Aleppo, hatte am Sonntagabend gegen 22 Uhr bei einem Musikfestival einen Sprengsatz gezündet und sich damit selbst getötet. Offensichtlich habe er die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei dem Fest mit etwa 2500 Besuchern zünden wollen. Durch die Explosion am Eingang wurden 15 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer.

Polizei verstärkt Präsenz

Das war die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. De Maizière sagte, er  verstehe die Sorgen der Bevölkerung, mahnte aber zugleich zur Besonnenheit gegenüber Flüchtlingen. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben. De Maizière versicherte, die Sicherheitsbehörden würden alles tun, damit sich solche schrecklichen Taten nicht wiederholen. Die Bundespolizei werde ihre Präsenz an Flughäfen und Bahnhöfen sichtbar verstärken, im Grenzbereich werde die Schleierfahndung angewandt. „Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht“, sagte er.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft besteht der Verdacht, dass der 27-Jährige  Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war. Die Behörde übernahm daher die Ermittlungen, wie sie am Montagabend in Karlsruhe mitteilte. Die Bundesanwaltschaft ermittelt außerdem wegen versuchten Mordes und anderer Straftaten.

Die Bundespolizei wird ihre Präsenz sichtbar verstärken.

Thomas de Maizière
Im Uhrzeigersinn: Polizisten einer Sondereinheit untersuchen den Tatort in Ansbach. Absperrung nach dem Attentat. Mitarbeiter der Spurensicherung stellen Gegenstände im Flüchtlingsheim sicher. FotoS: AP, afp
Im Uhrzeigersinn: Polizisten einer Sondereinheit untersuchen den Tatort in Ansbach. Absperrung nach dem Attentat. Mitarbeiter der Spurensicherung stellen Gegenstände im Flüchtlingsheim sicher. FotoS: AP, afp