Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Abenteurer

Politik / 26.07.2016 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Der alte Mann und die Partei“ fällt einem als Titel zum Sommergespräch mit Frank Stronach ein, in Anlehnung an ein bekanntes Werk von Ernest Hemingway. Unbeirrt von seiner Erfolglosigkeit segelt Stronach zum wiederholten Male auf das Meer der Politik, ähnlich wie es der kubanische Fischer Santiago in der Novelle „Der alte Mann und das Meer“ tat. Tagelang kämpfte dieser gegen Haie und dennoch blieb von seinem Fang nur ein Gerippe über. Auch das Team Stronach ist inzwischen von ursprünglich elf auf nur mehr sechs Abgeordnete abgemagert. Bei allen Umfragen dümpelt es unter der Wahrnehmungsschwelle herum.

Bewundernswert ist daher Stronachs Optimismus und die Zähigkeit im Wiederholen bekannter Botschaften und Klischees. Parteibuchwirtschaft, streitende und versagende Politik sowie einseitig berichtende Medien statt Unabhängigkeit, Wahrheit und Wirtschaftskompetenz. „Die Politik kann auf lange Zeit keine Länder führen“, fällt als seine zentrale Aussage auf. Eine Antwort, wer es denn besser machen könnte, gibt Stronach allerdings nicht. Im Unterschied zum alten Fischer mit seiner Beute schien die Beziehung zwischen Stronach und seinem Team nie wirklich geglückt zu sein. Nach 30 Millionen Euro Investment und drei Sitzungen als Nationalrat tritt er von der politischen Bühne ab. Enttäuscht, aber nicht frustriert, wie er betont.

Dennoch lädt der ORF den glücklosen Parteigründer als Gast zu Sommergesprächen. Immerhin galt Stronach früher aufgrund seiner unberechenbaren Auftritte als Straßenfeger. Noch im Vorjahr erreichte er mit 827.000 Zusehern nach Heinz Christian Strache die historisch zweitbeste Quote aller sommerlichen TV-Interviews. Am Montag versammelten sich immerhin noch 626.000 Interessierte vor den Bildschirmen. An die früheren Spektakel kann Stronach damit nicht anknüpfen, doch andererseits scheinen die Österreicher weder seiner noch der Politik generell müde zu sein. Im Gegenteil.

Im Sommer 2016 scheint die uns bekannte Welt aus den Fugen zu geraten. An eine Erholungspause denkt niemand. Politische Abenteurer kann man inzwischen in vielen Ländern beobachten. Boris Johnson, der Großbritannien aus der EU trieb und zum Außenminister emporstieg. Donald Trump, der auf political correctness verzichtet und in US-Umfragen führt. Recep Tayyip Erdoğan, der die türkische Gesellschaft spaltet, um zum starken Mann am Bosporus aufzusteigen.

Dem Fischer in Hemingways Novelle erschienen in der Nacht nach seinem Abenteuer am Meer Löwen aus Afrika. Vielleicht erfahren wir nächstes Jahr, wovon Frank Stronach träumt. Vielleicht gibt es auch einen neuen Abenteurer in der österreichischen Politik. Oder wir sind einfach froh, dass es bei uns eher langweilig zugeht.

Bewundernswert ist Stronachs Zähigkeit im Wiederholen bekannter Botschaften und Klischees.

kathrin.stainer-haemmerle@vorarlbergernachrichten.at
FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin,
lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.