Frankreich unter Terrorschock

Politik / 27.07.2016 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blumen und Kerzen zum Gedenken an den ermordeten Priester in Saint-Étienne-du-Rouvray.  Foto: AFP
Blumen und Kerzen zum Gedenken an den ermordeten Priester in Saint-Étienne-du-Rouvray.  Foto: AFP

Betroffenheit nach Anschlag in einer Kirche. Religionsführer bekunden Solidarität.

paris, wien. Nach dem Mord an einem Priester durch mutmaßliche IS-Sympathisanten steht Frankreich unter erneutem Schock. Am Dienstagabend fanden sich in der Nähe des Tatorts in der nordfranzösischen Kleinstadt Saint-Étienne-du-Rouvray viele Trauernde ein, um des Geistlichen zu gedenken und zu dessen Ehren Blumen und Kerzen niederzulegen. Die Politik warnte nach der Attacke in der katholischen Kirche vor einer Spaltung der Gesellschaft. Derweil wurden immer mehr Details zu Hintergründen der Tat bekannt.

Einer der Attentäter, Adel Kermiche, war als Anhänger des IS polizeibekannt. Der 19-Jährige wurde mit einer Fußfessel überwacht. Am Dienstagmorgen seien Kermiche und ein Komplize während der Messe in die Kirche gestürmt und hätten den 84-jährigen Priester Jacques Hamel, drei Nonnen und zwei Kirchgänger als Geiseln genommen. Den Geistlichen hätten die beiden auf die Knie gezwungen und ihm die Kehle durchgeschnitten, teilten Behörden und eine Augenzeugin, Schwester Danielle, mit. Die Nonne gab an, die Angreifer hätten sich bei der Tat gefilmt und am Altar eine Predigt auf Arabisch gehalten. Sie habe dann fliehen können. Die anderen Geiseln seien als menschliche Schutzschilde genutzt worden, um ein Eindringen der Polizei zu verhindern. Ein 86 Jahre alter Kirchgänger sei dabei verletzt worden. Kermiche und der andere Angreifer, dessen Identifizierung noch nicht abgeschlossen sei, hätten nach Angaben von Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins Sprengstoffattrappen dabei gehabt und seien mit „Allahu Akbar“-Rufen auf die Polizisten zugestürmt. Daraufhin seien sie erschossen worden. Der IS reklamierte über sein Sprachrohr Amak die Tat für sich.

Frankreichs Regierung will sich nach dem offenbar islamistisch motivierten Angriff in der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray gegen eine Spaltung der Gesellschaft stemmen. Ziel der beiden Angreifer war nach Ansicht von Premierminister Manuel Valls, Franzosen gegeneinander aufzuhetzen und einen „Krieg der Religionen zu provozieren“. Er rief die Franzosen auf, zusammenzustehen: „Unsere Antwort ist die Demokratie.“

Auch Präsident François Hollande warnte, „diese Terroristen wollen uns spalten“. Am Mittwochmorgen hatte er Vertreter der Religionsgemeinschaften in den Elysée-Palast geladen. Er traf mit Katholiken, Orthodoxen, Protestanten, Muslimen, Juden und Buddhisten zusammen.

„Hass im Herzen überwinden“

Danach haben führende Vertreter der katholischen Kirche und der islamischen Gemeinde in Frankreich Einigkeit und Solidarität bekundet. Der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, rief die Katholiken auf, „Hass in ihrem Herzen“ zu überwinden, der nach dieser Gewalttat aufkeimen könnte. Sie sollten sich nicht auf das Vorhaben IS einlassen, der „Kinder derselben Familie in Opposition gegeneinander aufbringen will“. Die besonders harmonischen Beziehungen, die in Frankreich zwischen den verschiedenen Religionen bestehen, seien eine wichtige Ressource für den Zusammenhalt der Gesellschaft“, sagte Vingt-Trois.

Österreichs Kardinal Christoph Schönborn (71) hat sich nach dem Priestermord gegen Rache und Gegenschläge ausgesprochen. Es gelte vielmehr, den „Kreislauf des Hasses zu durchbrechen“. Schönborn warnte vor weiteren Gegenschlägen, diese würden nur noch mehr Verhärtung bringen.