Frankreich gilt als erstes IS-Terrorziel

28.07.2016 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Täglich pilgern Menschen zur Kirche von St.-Étienne-du-Rouvray, in der der Priester Jacques Hamel von zwei Terroristen getötet wurde.   Foto: AP
Täglich pilgern Menschen zur Kirche von St.-Étienne-du-Rouvray, in der der Priester Jacques Hamel von zwei Terroristen getötet wurde.   Foto: AP

Zweiter Priestermörder identifiziert. Terrorfolgen in Frankreich und Deutschland.

paris, Berlin. Der zweite Täter des offenbar islamistischen Anschlags auf eine Kirche in der Normandie ist identifiziert. Laut einer Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft handelt es sich um den 19-jährigen Abdel-Malik Nabil Petitjean. Die Identität des in Lothringen geborenen Mannes wurde per DNA-Vergleich nachgewiesen. Petitjean lebte zuletzt in Aix-les-Bains östlich von Lyon, mehr als 600 Kilometer vom Tatort entfernt. Woher sich die beiden Attentäter kannten, war zunächst nicht bekannt.

Den anderen Angreifer, den ebenfalls 19-jährigen Adel Kermiche, hatten die Ermittler bereits kurz nach der Tat identifiziert. Die beiden jungen Männer hatten am Dienstagvormittag in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie Geiseln genommen und den Priester ermordet. Sie wurden von der Polizei erschossen.

Und ebenso wie Kermiche soll auch Petitjean den Behörden bekannt gewesen sein. Medienberichten zufolge habe es zu ihm seit Ende Juni einen Eintrag in einer Datenbank mit als radikalisiert eingestuften Personen gegeben. Grund war ein Versuch Petitjeans, nach Syrien zu reisen.

Erstes Anschlagsziel

Frankreich gilt als erstes Anschlagsziel von IS-Terroristen. Seit Januar 2015 töteten vom IS inspirierte Attentäter dort mindestens 235 Menschen. Die Täter hatten meist die französische Staatsbürgerschaft, oder sie wohnten in Frankreich und sprachen französisch. Wo sie Selbstmordanschläge verübten, kannten sie sich häufig gut aus. Laut Staatspräsident François Hollande sei Frankreich deshalb Hauptziel von Terroristen, weil das Land als eine Wiege von Menschenrechten und Demokratie gelte. Beobachter stimmen zu, dass Frankreich als Land mit säkularen Werten, liberalen Freiheiten und genussbetontem Lebensstil gezielt ins Visier genommen werde. Doch seine Kolonialgeschichte, demografische Spannungen und seine Interventionspolitik gegenüber militanten Muslimen im Ausland deuten darauf hin, dass es noch weitere Gründe gibt. Einer ist, dass fünf Millionen der 66 Millionen Einwohner Frankreichs Muslime sind. Das Land hat damit die größte muslimische Bevölkerung in Europa, ein Erbe seiner einstigen Kolonien in Afrika und dem Nahen Osten. Französische Soldaten sind noch heute in überwiegend muslimischen Gegenden früherer Überseegebiete im Einsatz. In Afrika kämpfen sie gegen Extremisten mit Verbindungen zum IS, was Rufe nach Vergeltung auslöst.

„Wir schaffen das“

Die jüngsten Anschläge in Deutschland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf verurteilt. Die Täter, die selbst als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen seien, „verhöhnen“ das Land, die Helfer und die anderen Flüchtlinge, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Zugleich bekräftigte sie ihre Aussage aus dem vorigen Jahr, „wir schaffen das“, und präsentierte einen Neun-Punkte-Plan für mehr Sicherheit. Dazu zählen eine Senkung der Hürden für die Abschiebung von Asylbewerbern, ein „Frühwarnsystem“ für Radikalisierungen bei Flüchtlingen und Vorbereitungen für Bundeswehreinsätze im Inneren bei großen Terroranschlägen.