Mutter Courage gegen Trump

Politik / 31.07.2016 • 22:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Nominierungsparteitage der Republikaner und der Demokraten sind vorbei. In rund hundert Tagen können die amerikanischen Wahlberechtigten darüber entscheiden, ob der Republikaner Donald Trump oder die Demokratin Hillary Clinton dem derzeitigen US-Präsidenten Barack Obama nachfolgen wird.

Es ist die Wahl zwischen Exklusion und Inklusion. Auf der einen Seite eine Politik der Konfrontation mit tatsächlicher Weltkriegsgefahr, der Dämonisierung von Minderheiten, von Ausgrenzung und Verfolgung durch einen Präsidenten Trump. Oder die Politik eines weltweiten Interessenausgleichs, der Humanität, der Toleranz und der sozialen Sicherheit einer Präsidentin Clinton. Oder kürzer gesagt: In ihrem Fall eine modifizierte Fortsetzung der Politik von Obama. Einer Politik immerhin, die von der klaren Mehrheit der US-Bevölkerung als richtig, gut und notwendig eingestuft wird und deren Fortsetzung offensichtlich auch die Mehrheit der restlichen Weltbevölkerung im Großen und Ganzen für wünschenswert hält.

Ausweislich der bei anderen amerikanischen Umfragen ermittelten jeweiligen Mehrheitsurteile ist ein hunderttägiger Zweikampf zwischen einem intellektuell flachfliegenden und grenzdebilen Westentaschen-Despoten und einer Mutter Courage mit Webfehlern zu erwarten. Stammtisch-Schwadronierer mit faschistoiden Großmachtgelüsten gegen Pflaster klebende, Trost spendende und Unrecht und Ungerechtigkeiten geradebiegende Samariterin.

Paradebeispiele von Geschlechterklischees? Ja und nein; und hüten wir uns mit Erinnerung an den gegenwärtigen Amtsinhaber vor Verallgemeinerungen. Fest steht immerhin, was viele Männer bestreiten, dass Politikerinnen per Saldo friedliebender, sozial engagierter und zukunftsorientierter sind als Männerpolitiker. Bedauerlicherweise und weil sie in aller Regel weniger lautstark und auch nicht so brachial und ellbogenbewehrt zu Werke gehen, werden sie von ihren männlichen Widerparts oft verdrängt, untergebuttert, nicht für voll und vom allgemeinen Publikum nicht, wie sie und ihre Überzeugungen es verdienten, zur Kenntnis genommen.

Wenn jetzt Hillary Clinton nach Angela Merkel in Deutschland und nach Theresa May im bald vielleicht nicht mehr so großen Großbritannien an die Macht kommt, erleben wir damit eine von Frauen angeführte Kulturrevolution der Güte, Weisheit, Geduld und fürsorglicher Mütterlichkeit? Nicht unbedingt. Auch in Zukunft sagen uns immer noch mehr Politiker in Hosen statt in Hosenanzügen, wo es langgeht. Auch Angela Merkel weiß: Das Etikett „Frau“ ist noch kein Garant für einen allseits bejubelten Paradigmenwechsel. Margret Thatcher, die britische Sozialstaats- und Gewerkschaftenzertrümmerin ging als „Eiserne Lady“ in die Geschichte ein.

Letztlich geht es nicht darum, ob in den USA eine Frau an die Macht kommt. Obwohl wir die Sache mit dem Ignorieren von mehr als der Hälfte der Menschheit schon lange genug hatten. Es geht stattdessen schlicht und einfach um verantwortungslose Trump- gegen verantwortungsvolle Clinton-Politik. Ist die Wahl da wirklich so schwer?

Politikerinnen sind friedliebender, sozial engagierter und zukunftsorientierter als Männerpolitiker.

Peter W. Schroeder, Washington