Aus welchen Gründen die Steuerreform verpufft

Politik / 05.08.2016 • 22:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Bevölkerungsmehrheit spürt die Entlastung nicht. Aus guten Gründen.

Wien. (joh) Vor allem Sozialdemokraten mögen die Steuerreform im vergangenen Jahr noch so sehr beworben haben. Dass es zu einer Entlastung kommen werde, bezweifelten schon damals viele Österreicher. Jetzt fühlen sie sich bestätigt: Sieben Monate nach Inkrafttreten des Paketes erklären laut einer Umfrage des GfK-Instituts 52 Prozent, keine positiven Auswirkungen verspürt zu haben.

Auch psychologische Gründe

Zum Teil mag dies psychologisch begründet sein: Wer mehr Geld hat, konsumiert unter Umständen anders; er schaut nicht mehr so sehr auf Angebote und kauft etwas teurer ein. Womit ihm wieder nichts übrig bleibt.

Bemerkenswert an den Umfrageergebnissen sind jedoch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Frauen vermissen 59 Prozent eine Entlastung, bei Männern dagegen nur 45 Prozent. Eine einfache Erklärung dafür liefert ein Blick in die Einkommensteuer-Datenbank: Laut Statistik Austria beträgt der Durchschnittslohn einer unselbstständigen Vorarlbergerin 21.508 Euro brutto im Jahr.

Die Steuerreform brachte in diesem Fall exakt 43,27 Euro im Monat. Und damit ist naturgemäß keine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse möglich. Männer dagegen verdienen mit 40.281 Euro im Schnitt beinahe doppelt so viel und haben daher aufgrund der Entlastung jeden Monat genau 100,67 Euro zusätzlich zur Verfügung. Auch damit ist kein plötzliches Leben in Saus und Braus möglich; es ist aber immerhin ein dreistelliger Betrag.

Gefühl entscheidend

Entscheidend für die Steuerreform und das Gefühl, das sie auslöst, ist noch etwas: die Wirkung der Gegenfinanzierung. Zum guten Teil läuft sie unter dem Titel „Betrugsbekämpfung“ ab.

Besser bekannt ist dabei etwa die Registrierkassenpflicht. Summa summarum werden die Maßnahmen zu einem deutlichen Anstieg des Umsatzsteueraufkommens beitragen, was immer auch die Endverbraucher, also Herr und Frau Österreicher zu bezahlen haben werden: Ein Wirt beispielsweise, der künftig mehr an den Fiskus abliefern muss, wird naturgemäß dazu tendieren, das über höhere Preise für Limonade, Bier, Wein und Schnaps zu kompensieren.

Umsatzsteueraufkommen

Ein Stück weit ist all das auch aus dem Bundesfinanzplan für die kommenden Jahre ablesbar: Das Umsatzsteuer-Aufkommen wird kontinuierlich – und noch dazu kräftig – steigen. Gegenüber 2015, also unmittelbar vor Inkrafttreten der Steuerreform, soll es 2020 um 5,99 Milliarden Euro höher ausfallen. Das Lohnsteueraufkommen soll dagegen zumindest heuer um rund zweieinhalb Milliarden Euro zurückgehen, so die Erwartungen des Finanzministeriums.