Wrabetz und Grasl nominiert

Politik / 05.08.2016 • 22:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Finanzdirektor Richard Grasl (l.) und ORF-Chef Alexander Wrabetz stehen am Dienstag zur Wahl.  Foto: APA
Finanzdirektor Richard Grasl (l.) und ORF-Chef Alexander Wrabetz stehen am Dienstag zur Wahl. Foto: APA

Offizielle Nominierung der ORF-Kandidaten. Aufregung um grünen Stiftungsrat.

wien. ORF-Chef Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl wurden von ORF-Stiftungsräten für das Hearing zur Wahl des neuen ORF-Chefs am 9. August nominiert. Der von der SPÖ unterstützte Wrabetz und der von der ÖVP favorisierte Grasl sind damit die einzigen Kandidaten, die kommenden Dienstag nach dem Hearing zur Wahl stehen. Die übrigen sechs Bewerber um den Posten wurden nicht eingeladen.

Beide rechnen mit Mehrheit

Die 35 Mitglieder des obersten ORF-Gremiums wählen den neuen ORF-Chef in offener, nicht geheimer Abstimmung. 18 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Beide Bewerber rechnen derzeit mit einer Mehrheit. So könnte der amtierende ORF-General mit Unterstützung der 13 SPÖ-nahen Stiftungsräte, der zwei unabhängigen Betriebsräte sowie der Vertreter des Landes Kärnten, der Neos und der Grünen die Basis für eine Wiederbestellung legen.

Grasl bräuchte neben den 13 Stimmen des ÖVP-„Freundeskreises“ noch das Backing der Stiftungsräte von FPÖ und Team Stronach, zwei weitere Unabhängige und eine jener Stimmen, die auch von Wrabetz umworben werden.

Kurzzeitige Aufregung gab es am Freitag dabei um den Grünen Stiftungsrat Wilfried Embacher, der zuletzt Skepsis in puncto Grasl und Präferenz in Richtung Wrabetz äußerte. Die grüne Parteispitze um Obfrau Eva Glawischnig und Mediensprecher Dieter Brosz habe sich in einer geheimen Sitzung darauf verständigt, Grasl zu unterstützen, Embacher werde entsprechend bearbeitet, machte vor dem Wochenende die Runde. „Völliger Schwachsinn und frei erfunden“, sagte Brosz dazu gegenüber der APA. „Es gab keine Vorstandssitzung und keinen Beschluss. Die Grünen haben und werden zu Agenden, die den ORF-Stiftungsrat betreffen, in Parteisitzungen nie Vorgaben machen. Embacher hat unser volles Vertrauen, und er wird nach bestem Wissen und Gewissen unabhängig und frei entscheiden.“ Von „Unsinn“ sprach auch der grüne Stiftungsrat.

„Enormer Druck“

Neos-Stiftungsrat Hans Peter Haselsteiner sowie Team- Stronach-Vertreter Günter Leitold wollten ihr Wahlverhalten auf APA-Anfrage vorerst nicht weiter erläutern. Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser von den unabhängigen Belegschaftsvertretern will erst nach dem Hearing entscheiden, ebenso der von der Regierung ins Gremium entsandte Unabhängige Franz Küberl. Der scheidende steirische Caritas-Präsident hatte kritisiert, dass auf die Stiftungsräte in diesen Tagen „enormer Druck“ ausgeübt werde.

Die Mitglieder des Gremiums werden von Regierung, Parteien, Bundesländern, ORF-Publikumsrat und Betriebsrat beschickt und sind – abgesehen von wenigen Ausnahmen – in parteipolitischen „Freundeskreisen“ organisiert. SPÖ und ÖVP können derzeit auf je 13 Vertreter zählen. FPÖ, Grüne, Neos und Team Stronach haben je einen Stiftungsrat. Der von BZÖ/FPK bestellte und von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängerte Kärntner Stiftungsrat sowie vier Unabhängige komplettieren das Gremium. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse dürften bei der Wahl die Vertreter der Opposition sowie die Unabhängigen den Ausschlag geben.

Stichwort

ORF. Der ORF ist eine Stiftung und „gehört“ der österreichischen Allgemeinheit. An seiner Spitze steht derzeit ein Generaldirektor, unterstützt durch ein vierköpfiges Direktorenteam. 2015 zählte der Sender mit dem ORF-Zentrum am Küniglberg, den Wiener Radio-Standorten im Funkhaus und in Heiligenstadt sowie den neun Landesstudios und Korrespondentenbüros 3370 Mitarbeiter beziehungsweise Vollzeitäquivalente.