Für IS beginnt Endkampf am Euphrat

Politik / 15.08.2016 • 22:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das syrische Raqqa ist noch in den Händen des IS. reuters
Das syrische Raqqa ist noch in den Händen des IS. reuters

Doch globaler IS-Werwolf dolcht schon fast überall.

damaskus. Am Euphrat hat nach dem Fall von Manbidsch für den Islamischen Staat (IS) der Endkampf begonnen. Als einziges Nachschubtor für Dschihadisten und Waffen vom insgeheimen türkischen Kumpan Erdogan bleibt der Terrormiliz die Grenzstadt Dscharabulus. Die liegt jedoch so exponiert, dass sie den vereinten arabisch-kurdischen Verbänden der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF) bald wie eine reife Frucht in den Schoß fallen muss. Dann ist der Rücken frei für den Gnadenstoß gegen die IS-Zentrale in Raqqa. Südöstlich von ihr bombt die russische Luftwaffe in Deir ez-Zor von den Islamisten bisher eingekesselte Getreue von Präsident Assad frei. Während in Aleppo noch erbittert zwischen Regierungstruppen und Rebellen aller Schattierungen um die Führung im Syrien von morgen gerungen wird, stehen an dieser „Ostfront“ alle gegen den gemeinsamen Todfeind Islamischer Staat zusammen.

Den syrischen Kurden kommt dabei die entscheidende Rolle zu. Was ihnen die Islamisten an grausamem Fanatismus entgegenwerfen, machen sie mit tapferer Todesverachtung wett. Sogar Frauen stellen mit Waffen in der Hand ihren Mann. Auf der Gegenseite sind sie zu Sexsklavinnen der Dschihadisten degradiert.

Wie unaufhaltsam der kurdische Vormarsch auch auf IS-Seite schon eingeschätzt wird, zeigt das Anschwellen einer Absetzbewegung aus Raqqa in Richtung Nordwestirak. Der gilt noch als einigermaßen sicheres „islamisches Territorium“. Tatsächlich kommt dort die Offensive der Bagdader Truppen und schiitischer Freiwilliger nicht recht vom Fleck. Zwar können die irakischen Kurden weiter einige Bodengewinne aufweisen. Ein entscheidender Schlag gegen Kalif Abu Bakr al-Baghdadi in Mossul würde jedoch ihr koordiniertes Vorgehen mit den syrisch-kurdischen „Volksverteidigungskräften“ (YPG) in Syrien voraussetzen. Gerade daran aber fehlt es. Die kurdische Autonomieverwaltung im Nordostirak unterstützt in Syrien einen eigenen politisch-militärischen Ableger gegen die Demokratische Union (PYD) und ihre YPG-Verbände. Ohne diese Zwietracht wären die Kurden überhaupt die großen Sieger im syrischen wie irakischen Bürgerkrieg.

In Raqqa herrscht inzwischen trotz aller Rückzugsvorzeichen ganz und gar keine Untergangsstimmung. Die Anhänger des Islamischen Staates sind überzeugt, dessen weitweiten Sieg eingeleitet zu haben, mögen sie auch vorerst am Euphrat und Tigris den Kürzeren ziehen. Seit ihr Kalif die Parole vom globalen Spontanterror jedes einzelnen Muslims, jeder einzelnen Muslima mit allen gerade zur Hand befindlichen Waffen ausgegeben hat, ist überall niemand mehr seines Lebens sicher: Messer, Hämmer, Äxte und Lastwagen verbreiten samt Kugeln und Bomben allüberall Tod, Schrecken und Angst. Die islamische Weltrevolution rollt über den Globus, mögen ihre nahöstlichen Brutstätten auch bald zusammengebombt und niedergekämpft sein. Der vom IS beschworene Muslim-Werwolf ufert mit totaler Eigengesetzlichkeit aus.