Im Vorjahr rund 90.000 Asylanträge gestellt

16.08.2016 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Integrationsbericht: 2015 so viele Anträge wie in den letzten fünf Jahren zusammen.

wien. (VN) Das Jahr 2015 war für die Integrationspolitik ein „außergewöhnliches Jahr“, hieß es bei der Präsentation des neuen Integrationsberichts am Dienstag in Wien. Heinz Faßmann, Vorsitzender des Expertenrats für Integration, erklärte, die rund 90.000 gestellten Asylanträgen seien zwar einmalig „verkraftbar“. Mehrere solcher Jahre würden Österreich aber unter „Wachstumsstress“ stellen. Minister Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von der Notwendigkeit, die Zahlen zu reduzieren.

Deutschkenntnisse ermittelt

Demnach lebten in Österreich rund 1,8 Millionen Menschen (21 Prozent) mit Migrationshintergrund (2014: 1,7 Mio.). 88.340 Asylanträge wurden gestellt – so viele wie in den letzten fünf Jahren zusammen. 2010 bis 2014 waren es 88.408. Eine Konsequenz daraus sei ein 50 Punkte umfassender Maßnahmenplan gewesen, sagte Kurz.

Die starken internationalen Wanderungsgewinne Österreichs (plus 113.067 Personen) haben im Vorjahr den deutlichen Zuwachs der Personen mit Migrationshintergrund ergeben. Nur 1956/57 sei ein ähnliches Ausmaß durch die Flucht aus Ungarn erreicht worden, sagte Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria. Der Großteil der Asylwerber stammte aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. 17 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund verfügten demnach über Deutsch als Muttersprache, weitere sechs Prozent besaßen neben Deutsch eine zweite Muttersprache. 77 Prozent hatten eine andere Muttersprache. Davon beherrschten 21 Prozent Deutsch ausgezeichnet, 33 Prozent verfügten über fortgeschrittene und 29 Prozent über durchschnittliche Deutschkenntnisse. 17 Prozent hatte keine bzw. geringe Kenntnisse der Sprache.

Faßmann führte aus, dass der Zuwachs auch einen Mehrbedarf an Wohnungen, Arbeitsplätzen sowie Ausbildungsplätzen bedeute. Er unterschied zwischen „Standardintegration“ sowie jener der Asylberechtigten. Bei ersterer habe sich schon viel getan. Der Vorsitzende des Expertenrats appellierte an die Geduld, denn Integration sei ein langfristiges Vorhaben. Während 2010 noch 31 Prozent der Befragten meinten, die Integration funktioniere „sehr gut“ oder „eher gut“, waren es 2016 fast 48 Prozent.

Aus der Sicht des Expertenrates ist bereits einiges aus dem Maßnahmenpaket umgesetzt worden. Faßmann nannte etwa den Ausbau der Sprachkurse und der Kompetenzchecks oder das Anerkennungsgesetz. Offen sei die Schaffung von Wohnraum oder die gleichmäßige Verteilung auf die Gemeinden. Hinsichtlich der Mindestsicherung meinte er: „Es kann nicht sein, dass die Bundesländer nicht zu einem abgestimmten Verfahren finden.“ Kurz erklärte, er könne dem Vorschlag der Wohnsitzpflicht in der Mindestsicherungsdebatte durchaus etwas abgewinnen, er pochte indes auf eine Neuregelung der Mindestsicherung und auf einheitliche Standards.

Kein Vergleich mit Gastarbeitern

Für Kurz hängt der Erfolg der Integration von der Zahl der zu Integrierenden ab, eine Reduktion des Zustroms sei notwendig. Die Personen im Land müssten integriert werden. Der Vergleich mit den Gastarbeitern vor Jahrzehnten sei nicht möglich, da früher ein Bedarf an Arbeitskräften geherrscht habe. Heute stelle sich die Situation diesbezüglich schwieriger dar. „Wir brauchen einen Ruck, um die Menschen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt oder eine andere Form der Beschäftigung zu bringen“, so Kurz mit Blick auf Gemeinnützigkeit. Er wolle daher mit Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) in Kontakt treten.

Wir brauchen einen Ruck, um die Menschen möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Sebastian Kurz