Flucht übers Meer nimmt wieder zu

19.08.2016 • 20:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ungewöhnlich viele Migranten erreichen Griechenland. Österreich will Balkanroute geschlossen halten.

athen, wien. Griechenland verzeichnet wieder vermehrt Flüchtlinge, die mit Booten von der Türkei auf Inseln in der Ostägäis übersetzen. Zwischen Donnerstag- und Freitagfrüh seien 261 Menschen angekommen, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit. Ein Offizier der Küstenwache geht davon aus, dass die erhöhten Ankünfte „mit dem sehr guten Wetter zusammenhängen, das zurzeit hier herrscht“.

Am Donnerstag rettete die griechische Küstenwache rund 70 Flüchtlinge von ihrem vor der unbewohnten Insel Sapientza auf Grund gelaufenen Boot. Die Menschen seien vor der Südwestküste der Peloponnes-Halbinsel am Freitagmorgen aufgenommen und zum Festland gebracht worden, wo sie registriert werden sollen, teilte die Küstenwache mit.

Die Migranten seien offensichtlich auf dem Weg nach Italien gewesen. Wo sie gestartet waren und welcher Nationalität sie angehören, blieb zunächst unklar. 

In den ersten 18 Augusttagen kamen im Durchschnitt täglich etwa 94 Menschen in Griechenland an. Die Aufnahmelager auf den Inseln sind überfüllt. Am Freitag harrten dort 11.088 Menschen aus. Es gibt aber nur 7450 Plätze. Nachdem die Balkanroute im März dauerhaft geschlossen wurde, versuchen Schleuser nun, die Menschen über die viel gefährlichere Route im Mittelmeer nach Europa zu bringen.

Trendwende

Eine dauerhafte Kontrolle der Grenze entlang der Balkanroute hat Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigt. „Die Balkan-Route muss geschlossen bleiben“, sagte Kurz zur in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Es könne nicht Ziel sein, dass ein Flüchtling aus einem EU-Land wie Griechenland in ein Nicht-EU-Land wie Mazedonien flieht. „Die illegale Zuwanderung kann nur so gestoppt werden, so lange unsere Außengrenzen nicht geschützt sind“, sagte Kurz.

Gleichzeitig kritisierte Kurz die Entscheidungen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im September 2015: „Diese Politik hat sich in Summe als falsch herausgestellt“, sagte er. Aber die Bundeskanzlerin habe danach „eine Politik der Begrenzung und der Abschottung“ umgesetzt. „Das Tor nach Europa war offen. Jetzt haben wir eine Trendwende. Die Grenzen sind dicht, und die Preise der Schlepper dadurch rasant gestiegen. Illegale Migration wird unattraktiver.“

Grenzschutz verstärkt

Nachdem mehrere Flüchtlingsgruppen versucht haben, von Serbien aus nach Rumänien einzureisen, beschloss die rumänische Regierung, die Überwachung an der Grenze zum Nachbarland Serbien zu verstärken. Der Grenzschutz solle personell verstärkt und mit Spürhunden, Wärmebildkameras und einem Hubschrauber ausgerüstet werden, teilte das Innenministerium in Bukarest am Freitag mit.

Diese Politik hat sich in Summe als falsch herausgestellt.

Sebastian Kurz