„Wenn ich das nicht mache, haben wir bald Bürgerkrieg“

19.08.2016 • 20:33 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Christoph Hagen erklärt, dass das Team Stronach zeitweise außer Kontrolle geraten ist. „Dann bin ich Generalsekretär geworden.“  Foto: VN/PS
Christoph Hagen erklärt, dass das Team Stronach zeitweise außer Kontrolle geraten ist. „Dann bin ich Generalsekretär geworden.“ Foto: VN/PS

Christoph Hagen
sieht sich als Hüter
des Menschenrechts für Sicherheit.

Bregenz. Christoph Hagen ist Nationalratsabgeordneter und Generalsekretär beim Team Stronach. Im VN-Sommergespräch spricht er über die Arbeit im Menschenrechtsausschuss und darüber, warum seine Partei gescheitert ist.

Herr Hagen, Sie sind in einem kleinen Team, sitzen in vielen Ausschüssen und sind Generalsekretär. Können Sie jede Aufgabe zu 100 Prozent erfüllen?

Hagen: Ich habe sehr gute Mitarbeiter und Erfahrung. Dadurch kann ich das bewältigen, aber jeder kann das sicher nicht. Das muss ich unvoreingenommen sagen. Das ist fast unmenschlich.

Haben Sie, wie angekündigt, einen Partei-Landessprecher für Vorarlberg gefunden?

Hagen: Das ist nicht mehr gewünscht, weil die Fraktion ausläuft. Da macht es keinen Sinn mehr. Frank gibt uns eine politische Botschaft mit.

Was hat er vor?

Hagen: Frank will wieder etwas aufbauen. Das heißt derzeit Vision Österreich. Wie es am Ende heißen wird, ist noch nicht klar. Ich arbeite gerade an etwas, und wenn Frank das gut findet, dann werden wir das weiterverfolgen. Nur der Name wird ein anderer sein.

Sie werden aber nicht mehr dabei sein?

Hagen: Ich werde es nach Möglichkeit unterstützen, aber ich habe die Entscheidung getroffen, dass ich nach dieser Periode nicht mehr im Nationalrat sitze.

Hat das Team Stronach jemals funktioniert?

Hagen: Wir hatten viele verschiedene Charaktere, die sich ausgelebt haben. Das ist außer Kontrolle geraten, es gab keine wirkliche Führung. Dann hat Frank mich zum Generalsekretär gemacht.

Und jetzt läuft’s?

Hagen: Die Abgeordneten leisten sehr viel und wir bekommen während Parlamentsdebatten viele positive Reaktionen. Auch bei Fernsehdiskussionen. Robert Lugar hat sich in diesem Punkt echt gemausert. Man kann zu ihm persönlich stehen wie man will, aber er hat gute Argumente.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis?

Hagen: Dicke Freunde sind wir nicht, aber wir können miteinander arbeiten.

Die Vision Österreich ist an Ihnen beiden vorbeigegangen?

Hagen: Nein, Frank hat mit mir davor gesprochen.

Robert Lugar sagte, er hätte im Vorfeld nichts gewusst.

Hagen: Mit mir redet Frank vielleicht etwas mehr (lacht).

Welchen Ausschuss haben Sie eigentlich am liebsten?

Hagen: Viele. Inneres, Verteidigung, Außenpolitik, Justiz, Verfassung und den Verkehrsausschuss natürlich.

Sie sind auch im Ausschuss für Menschenrechte. Wo gibt es in Österreich Nachholbedarf?

Hagen: Sicherheit ist ein Menschenrecht. Auch dass eine Frau am Abend alleine auf die Straße gehen kann. Wenn ich das heute sehe, mit den ganzen Vergewaltigungen, leider durch Zuwanderer, dann wird dieses Menschenrecht mit Füßen getreten.

Gibt es ein Sicherheitsproblem durch Zuwanderung?

Hagen: Es gäbe sicher auch ohne Zuwanderung Probleme, aber sie wurden dadurch intensiver. Ich kann ja nicht sagen: „Lebt ruhig weiter, wie ihr es gewohnt seid.“ Sondern muss erklären, wie es hier läuft. Wenn ich das nicht mache, haben wir bald einen Bürgerkrieg.

Einen Bürgerkrieg?

Hagen: Das ist noch weit entfernt, aber man muss nur in den Libanon schauen. Da waren die Christen die Mehrheit, dann hat es viele Zuwanderer gegeben. Plötzlich bekämpften sich Schiiten und Sunniten untereinander.

Österreich ist nicht der Libanon. Wir haben ein Sozialsystem, einen Rechtsstaat, eine Polizei. Ein Bürgerkrieg ist schon ein krasses Szenario.

Hagen: Das kann man nie ausschließen. Es kann dort enden, wenn man Pech hat.

Sind Frauenrechte auch Thema im Menschenrechtsausschuss?

Hagen: Selbstverständlich. Gleichberechtigung hängt mit Rechten und Pflichten zusammen. Ich will überall Gleichberechtigung haben. Auch bei Themen, die nicht so angenehm sind. Also auch bei der Wehrpflicht oder beim Pensionsalter. Frauen sollen sich nicht nur die Rosinen rauspicken.

Gefällt Ihnen die Arbeit im Ausschuss für Menschenrechte?

Hagen: Ich muss ehrlich sagen, Alev Korun (Vorsitzende, die Grünen, Anm.) geht mir schon ein bisschen auf die Socken. Es ist ein Selbstdarstellungsausschuss für Frau Korun. Und ein Alibiausschuss, der nicht wirklich irgendwas bringt. Leider.

Reden Sie noch mit Kathrin Nachbaur und den anderen ehemaligen Fraktionsmitgliedern, die gegangen sind?

Hagen: Ja. Natürlich bin ich enttäuscht. Ich glaube, sie bereut es selber schon. Aber es ist zur Kenntnis zu nehmen.

Ist die ÖVP auch auf Sie zugekommen?

Hagen: Ja, mehrfach. Aber das ist kein Thema. Auch andere Fraktionen fragten.

Word-Rap

SPÖ

+ Handschlagqualität

– leider zu verfilzt

ÖVP

+ ab und zu richtige Zeichen erkennen

– wenig Handschlagqualität

FPÖ

+ spricht dem Volk nach dem Mund

– setzt das nicht immer wahrheitsgetreu um

Grüne

+ haben Umweltsachen angesprochen und es zum Thema gemacht

– Verbots- und Gebotspartei

Neos

+ eine neue Sicht im Parlament

– werden immer mehr zur Linkspartei

Team Stronach

+ spricht Leute und Probleme an

– Personalauswahl führte zum Crash