51 Tote nach Anschlag bei Kurden-Hochzeit

Politik / 21.08.2016 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Ort, an dem sich der Suizidattentäter in die Luft gesprengt hat, wurden Bombensplitter gefunden.  afp
Am Ort, an dem sich der Suizidattentäter in die Luft gesprengt hat, wurden Bombensplitter gefunden. afp

Türkische Behörden ermitteln nach Suizidattentat. Erdogan nennt IS als „wahrscheinlichen Urheber“.

Gaziantep, ankara. (VN) Samstagnacht in der südtürkischen Stadt Gaziantep. Wie oft üblich in der Türkei feiert das kurdische Brautpaar auf der Straße: Nachbarn, Verwandte, Freunde, alle sind dabei. Inmitten der feiernden Menschen sprengt sich ein Attentäter in die Luft.

Die Amateurvideos nach dem Anschlag sind verstörend. Frauen laufen orientierungslos herum, Blutlachen breiten sich auf dem Boden aus. Zersplitterte Plastikstühle sind zu erkennen, auf denen wohl noch kurz zuvor Verwandte und Freunde des Brautpaars, das verletzt wurde, gesessen sind.

Die Zahl der Toten nach diesem Anschlag ist am Sonntag auf 51 angestiegen. 69 Personen wurden verletzt, 17 von ihnen schwer.

Unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. Und ein Kind soll es gewesen sein, das den Anschlag durchgeführt habe, lauten erste Erkenntnisse. Zwischen zwölf und 14 Jahre alt soll der Bub gewesen sein. Dass Minderjährige als Waffe eingesetzt werden, kannte man bisher aus dem Irak und Syrien, nicht jedoch aus der Türkei.

Ministerpräsident Binali Yildirim verurteilte den Angriff noch am Samstagabend. Die Attacke in der Millionenmetropole habe eine Hochzeitsfeier zu einem Ort der Trauer gemacht, erklärte er. „Egal, wie diese verräterische Terrororganisation genannt wird, wir als Volk, als Staat und als Regierung werden unseren Kampf gegen sie fortsetzen.“

Vizeregierungschef Mehmet Simsek reiste noch in der Nacht zum Sonntag mit Gesundheitsminister Recep Akdag nach Gaziantep, um den Tatort und die Verletzten zu besuchen. „Das ist ein Massaker beispielloser Grausamkeit und Rohheit“, sagte er.

Präsident Recep Tayyip Erdogan, der hinter dem Anschlag von Gaziantep den IS vermutet, machte am Sonntag im selben Atemzug klar, dass er den Kampf gegen den Terrorismus an drei Fronten sieht: Er macht keinen Unterschied zwischen PKK, IS oder den Anhängern des Predigers Fethullah Gülen, der hinter dem Putschversuch vom 15. Juli stecken soll.

Die Türkei wurde in den vergangenen Monaten des Öfteren von Selbstmordattentaten heimgesucht, für die sich kurdische Aufständische verantwortlich zeigten oder der IS verantwortlich gemacht wurde. Die Terrormiliz IS bekannte sich allerdings noch zu keinem der ihr zugeschriebenen Anschläge in der Türkei.

Erneut sind unschuldige Männer, Frauen und Kinder zum Opfer feiger und hinterhältiger Gewalt geworden. Den Verwundeten wünsche ich rasche Genesung. Angela Merkel Deutschlands Bundeskanzlerin

Erneut sind unschuldige Männer, Frauen und Kinder zum Opfer feiger und hinterhältiger Gewalt geworden. Den Verwundeten wünsche ich rasche Genesung.

Angela Merkel

Deutschlands Bundeskanzlerin

Ich veruurteile den abscheulichen Terroranschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in der türkischen Stadt Gaziantep. Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer. Sebastian KurzÖsterreichs Außenminister

Ich veruurteile den abscheulichen Terroranschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in der türkischen Stadt Gaziantep. Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer.

Sebastian Kurz

Österreichs Außenminister

Wir haben einmal mehr erfahren, dass der Terrorismus die Gesetze zivilisierter Gesellschaften nicht anerkennt, und auch die Normen der menschlichen Moral missachtet. Wladimir Putin Russlands Präsident

Wir haben einmal mehr erfahren, dass der Terrorismus die Gesetze zivilisierter Gesellschaften nicht anerkennt, und auch die Normen der menschlichen Moral missachtet.

Wladimir Putin

Russlands Präsident

Wir sichern der Regierung in Ankara Solidarität und verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen Terror zu. Wir sind zusammen in einem gemeinsamen Kampf. Federica MogheriniEU-Außenbeauftragte

Wir sichern der Regierung in Ankara Solidarität und verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen Terror zu. Wir sind zusammen in einem gemeinsamen Kampf.

Federica Mogherini

EU-Außenbeauftragte

Attentate in der Türkei

18. Juli: Der Vizebürgermeister des Istanbuler Bezirks Sisli wird bei einem Attentat getötet.

28. Juni: Drei Attentäter greifen den internationalen Terminal des Istanbuler Atatürk-Flughafens an. Alle drei sprengen sich in die Luft und töten dabei 45 Menschen.

7. Juni: Die Explosion einer ferngezündeten Autobombe tötet im Zentrum Istanbuls elf Personen.

13. März: Eine Suizidattentäterin sprengt sich in einem Auto in Ankara in die Luft. 37 Menschen sterben.

17. Februar: Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara sterben 30 Menschen.

12. Jänner: In Istanbul zündet ein Attentäter eine Bombe inmitten einer deutschen Reisegruppe. Zwölf Deutsche werden getötet.