Türkische Panzer rücken erstmals nach Syrien vor

Politik / 24.08.2016 • 22:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Türkei unterstützt einen Angriff der Freien Syrischen Armee in der IS-Bastion Dscharablus in Syrien.  Foto: AFP
Die Türkei unterstützt einen Angriff der Freien Syrischen Armee in der IS-Bastion Dscharablus in Syrien.  Foto: AFP

Angriff gilt IS, aber auch syrischen Kurden. Biden sagt Prüfung von Gülen-Auslieferung zu.

ankara. Türkische Bodentruppen haben erstmals eine Offensive im syrischen Bürgerkrieg begonnen und in Nordsyrien die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angegriffen. Panzer der türkischen Armee überquerten am Mittwoch die Grenze und rückten auf die IS-Bastion Dscharablus vor. Ankaras Militär unterstützt einen Angriff von Einheiten der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Nach Informationen aus Rebellenkreisen drangen die Aufständischen am Abend in die Islamisten-Hochburg vor. Die meisten IS-Kämpfer hätten sich zurückgezogen oder ergeben, sagte ein Kommandant der FSA, der namentlich nicht genannt werden wollte.

„Schutzschild Euphrat“

Die Türkei hatte die Operation „Schutzschild Euphrat“ in den frühen Morgenstunden mit Angriffen aus der Luft gestartet, wie Präsident Recep Tayyip Erdogan am Vormittag in Ankara bekannt gab. Wenig später rollten die Panzer sowie weitere Militärfahrzeuge nach Syrien. Neben türkischen F-16-Jets waren auch Kampfflugzeuge der Anti-IS-Koalition im Einsatz. Erdogan versuchte in einer ersten Erklärung erst gar nicht zu verbergen, dass der Einsatz auch gegen die vorrückenden kurdischen Milizen gerichtet war. „Hinter diese Angriffe muss jetzt ein Schlusspunkt gesetzt werden“, forderte Erdogan. Das syrische Außenministerium kritisierte die Offensive als Verstoß gegen die Souveränität des Landes. Heftige Kritik kam auch vom Co-Vorsitzenden der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim. „Die Türkei ist im syrischen Sumpf“, schrieb er auf Twitter. Dscharablus liegt rund 35 Kilometer nördlich der Stadt Manbij, die erst kürzlich von einem Bündnis unter Führung der syrischen Kurden-Miliz YPG zurückerobert worden war. Ankara sieht die YPG ebenso wie die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK als terroristisch an.

Nach Angaben aus US-Regierungskreisen unterstützen US-Streitkräfte die türkische Offensive aus der Luft sowie mit Geheimdienstinformationen und Militärberatern. US-Vizepräsident Joe Biden, der sich in Ankara aufhielt, drohte den syrisch-kurdischen Truppen den Entzug der US-Unterstützung, sollten sie sich nicht auf ein Gebiet östlich des Euphrats zurückziehen. „Sie können und werden unter keinen Umständen amerikanische Unterstützung bekommen, wenn sie sich nicht an diese Verpflichtung halten“, sagte Biden.

Giftgas im Syrien-Konflikt

Eine Untersuchungskommission der UNO ist nach Angaben Frankreichs eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass die syrische Regierung und der Islamische Staat (IS) in den vergangenen zwei Jahren Chemiewaffen eingesetzt haben, hieß es am späten Mittwochabend. Der Kommissionsbericht zeige klar, dass das syrische Regime und der IS Chemiewaffenangriffe in Syrien verübt hätten, erklärte Frankreichs stellvertretender UN-Botschafter Alexis Lamek.