35 Tote bei Luftangriffen

Politik / 28.08.2016 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Türkische Panzer waren über die Grenze gerollt.  Foto: reuters
Türkische Panzer waren über die Grenze gerollt. Foto: reuters

Bei türkischen Bombardements in Nordsyrien sollen Zivilisten ums Leben gekommen sein, sagen Aktivisten.

damaskus, istanbul. Bei türkischen Luftangriffen in Nordsyrien sind am Sonntag nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 35 Zivilisten ums Leben gekommen. Weitere 75 Menschen seien bei zwei Bombardements verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dagegen sprach die türkische Armee von 25 Mitgliedern der Kurdenmiliz YPG, die bei Luftangriffen im Bereich der syrischen Grenzstadt Dscharablus getötet worden seien. Diese hätten zuvor das Feuer eröffnet, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf das Militär.

Die türkischen Streitkräfte hätten „alle Vorkehrungen getroffen, dass die in der Region lebende Zivilbevölkerung nicht zu Schaden kommt“, hieß es offensichtlich mit Blick auf die Berichte über bei Luftschlägen getötete Zivilisten. In dieser Hinsicht gehe die Armee mit „äußerstem Feingefühl“ vor, hatte der Generalstab in Ankara bereits zwei Tage nach Beginn der Offensive erklärt.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter starben bei einem türkischen Angriff auf das Dorf Dschub al-Kusa mindestens 20 Unbeteiligte. 50 weitere seien verletzt worden. In einer zweiten Attacke hätten Kampfflugzeuge einen Bauernhof südlich von Dscharablus getroffen. Wenigstens 15 Menschen seien dort gestorben, 25 weitere verletzt worden. Die türkische Armee war am Mittwoch zusammen mit Rebellenverbänden in den Norden Syriens einmarschiert. Der Vorstoß gilt einerseits der Vertreibung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zugleich will das türkische Militär aber auch die kurdischen Kämpfer zurückdrängen. Am Samstag waren Verbände des Militärbündnisses Demokratische Kräfte Syriens (SDF) erstmals mit türkischen Einheiten zusammengestoßen. Bei den SDF handelt es sich um ein von der Kurdenmiliz YPG angeführtes Bündnis, das von den USA unterstützt wird. Dabei wurde ein türkischer Soldat getötet. Drei weitere Militärs wurden verletzt, wie Anadolu mitteilte. Die Kurden kontrollieren große Gebiete an der Grenze zur Türkei und haben dort eine Selbstverwaltung errichtet. Die türkische Regierung will verhindern, dass die Kurden noch mehr Gebiete unter ihre Kontrolle bringen.

Gefechte in der Türkei

Am Sonntag kam es im mehrheitlich kurdischen Südosten der Türkei zudem erneut zu Anschlägen und Gefechten. Medienberichten zufolge sind ein Soldat und zehn kurdische Rebellen ums Leben gekommen. Der Soldat sei durch eine Sprengfalle der PKK-Rebellen in der Provinz Hakkari getötet worden, berichtete Anadolu. Drei seiner Kameraden wurden demnach verletzt. Nach Angaben der privaten Agentur Dogan griff das Militär daraufhin die Rebellen an und tötete zehn von ihnen.