Attest gegen Krebs-Gerüchte

Politik / 31.08.2016 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Van der Bellen habe mehrfach bewiesen, dass er gesund ist, zum Beispiel mit der Wanderung im Kaunertal, sagt Mandatar Walser.  APA/Chapalain
Van der Bellen habe mehrfach bewiesen, dass er gesund ist, zum Beispiel mit der Wanderung im Kaunertal, sagt Mandatar Walser.  APA/Chapalain

Van der Bellen veröffentlicht Gesundheitsakte. Der Wahlkampf wird persönlicher.

Wien. Krebs, heimliche Chemotherapie, Demenz. Der Wahlkampf hat eine neue Dimension erreicht. Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen wird mit allerhand Lügen diskreditiert. Eine derartige Negativkampagne hat es in der politischen Landschaft Österreichs noch nie gegeben.

„Verblüffend guter Zustand“

Der frühere Grünen-Chef scheiterte mit jeglichem Dementi. „Alles erstunken und erlogen“, „ich bin kerngesund“, seine schlimmste Krankheit sei die Kurzsichtigkeit, sagte der 72-Jährige in mehreren Interviews. Vergebens. Die Gerüchte in den sozialen Medien hielten sich. Nun legt Van der Bellen seine Befunde offen. Fazit: Er hatte und hat keinen Krebs. Der Hofburg-Bewerber sei „super beinand“ und in einem „verblüffend guten Zustand“, erklärt sein Arzt Christoph Zielinski, der die Untersuchungen vor wenigen Tagen durchführte, der Austria Presse Agentur. Van der Bellen hat Zielinski von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden und tief in seine Intimsphäre blicken lassen. So will der Hofburg-Bewerber der Bevölkerung beweisen, dass er gesundheitlich für das Amt gerüstet sei. Auch möchte er den Diffamierungen entgegentreten, erklärte Wahlkampfmanager Lothar Lockl.

Viel anderes wäre Van der Bellen nicht übrig geblieben. Seine Entscheidung sei nachvollziehbar, meint Politologe Peter Filzmaier. „Damit ändert er die Zielrichtung des Gerüchts. Jene, die es verbreiten, müssten nun die Ärzte der Lüge bezichtigen.“ Den offiziellen Wahlkampf werde das nicht beeinflussen, allerdings befürchtet Filzmaier eine weitere Polarisierung zwischen Hofer- und Van-der-Bellen-Gegnern im Netz.

Die FPÖ wollte die Veröffentlichung der Gesundheitsdaten nicht kommentieren. Ihr Kandidat Norbert Hofer habe sich schon deutlich genug zu den Falschmeldungen geäußert. Die Partei habe nichts damit tun. Sollte ein Mitglied der FPÖ dahinterstecken, würde dieses sofort aus der FPÖ ausgeschlossen, erklärt ein Sprecher. 

Der grüne Nationalratsabgeordnete Harald Walser ortet einen absoluten Tiefpunkt der österreichischen Innenpolitik: „Es gibt ein Recht auf Intimsphäre und es ist offenkundig, dass Van der Bellen gesund ist. Er hat das mehrfach bewiesen.“ Dass er sich jetzt dazu genötigt fühle, seine Gesundheitsakte zu veröffentlichen, sei unerhört.

Wer die Gerüchte gestreut hat, ist unklar. Mehrfach wurden sie über die sozialen Medien geteilt. Der Wahlkampf wird persönlicher und nicht mehr nur von den Parteizentralen gesteuert. „Das haben wir so im Rennen um das höchste Amt im Staat noch nicht erlebt“, meint Filzmaier. In der traditionellen Medienlandschaft sei es noch schwieriger gewesen, solche Gerüchte zu platzieren, sagt er. Der Politologe ortet zum Teil eine Amerikanisierung des Wahlkampfs. Natürlich werde wie in den USA immer mehr Privates thematisiert. „Österreich ist im Vergleich dazu aber weiterhin eine Insel der Seligen.“ 

Problematisch ist es laut Filzmaier allerdings, dass zunehmend Persönliches der Politiker anstatt Inhalte ihrer Politik im Mittelpunkt stehen. Eine Demokratie halte das zwar aus, aber sie verliere damit an Qualität.

Wir geben damit die Sicherheit über die Eignung des Kandidaten.

Lothar Lockl