Verlust von Anführern schwächt Terrormiliz

31.08.2016 • 20:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Abu Mohammed al-Adnani wurde ein weiterer IS-Anführer getötet. Bei der Terrormiliz herrscht nun offensichtlich Personalmangel.  FOTO: AP
Mit Abu Mohammed al-Adnani wurde ein weiterer IS-Anführer getötet. Bei der Terrormiliz herrscht nun offensichtlich Personalmangel. FOTO: AP

Der Tod des IS-Propagandachefs gilt als gute Nachricht für Europa. Terrorgefahr bleibt bestehen.

damaskus. Der Tod von IS-Propagandachef Abu Mohammed al-Adnani bedeutet nach Ansicht des Terror-Experten Guido Steinberg eine deutliche Schwächung für die Extremisten. Al-Adnani habe an der Spitze einer kleinen Einheit gestanden, die Terroroperationen in der ganzen Welt geplant habe, unter anderem in Paris und Brüssel, sagte Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik am Mittwoch. „Es ist eine wichtige Nachricht für Europa, dass der Chef dieser Einheit getötet wurde.“ Der Verlust einer einzelnen Person sei zwar für den IS nicht entscheidend, seit 2014 seien jedoch zahlreiche Führungsmitglieder ums Leben gekommen. „Fast alle, die Rang und Namen hatten, wurden getötet“, sagte der Islamwissenschaftler. „Die Nachrücker haben nicht mehr das Format. Es herrscht offensichtlich ein Personalmangel.“

Adnani, der 1977 in der syrischen Provinz Idlib geboren wurde, war eines der Gründungsmitglieder des IS. Anfang der 2000er-Jahre schloss er sich den Dschihadisten im Irak an und schwor dem Chef von Al-Kaida im Irak, Abu Moussab al-Zarqawi, die Treue. Aus der Gruppe ging später der IS hervor.

Beim IS stieg Adnani schnell zu einem der wichtigsten Strategen und zum Propagandachef auf: Nach der Eroberung großer Gebiete in Syrien und Irak rief Adnani im Juni 2014 in einer Audiobotschaft das „Kalifat“ des IS aus und erklärte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen. Zuletzt habe Adnani Militäreinsätze in Aleppo überwacht.

„Ungläubige“ töten

Der IS-nahen Agentur Amaq zufolge sei Adnani in der syrischen Provinz Aleppo getötet worden. Zum Zeitpunkt und den genauen Umständen seines Todes wurden bislang keine Angaben gemacht. Womöglich kam er bei einem Luftangriff der US-geführten Anti-IS-Allianz ums Leben.

Nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste war Adnani auch direkt an der Planung von Anschlägen in Europa beteiligt, etwa in Paris, Brüssel und am Istanbuler Flughafen. Die USA setzten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (4,48 Mill. Euro) auf ihn aus. Im September 2014 hatte Adnani die IS-Anhänger aufgerufen, „Ungläubige“ in westlichen Staaten zu töten.

Die Terrorgefahr sei jedoch nicht gebannt, warnt Steinberg. Sie werde nur langfristig abnehmen, wenn noch mehr Anführer getötet würden. Wichtiger sei, dass der IS Gebiete verliert und dadurch die Reisemöglichkeiten für IS-Anhänger eingeschränkt werden.

Getötete IS-Anführer

Abu Mohammed al-Adnani: Der Propagandachef des IS kam  am Dienstag bei einem Luftangriff in Aleppo ums Leben. Adnani (39)  soll direkt an der Planung von Anschlägen in Europa beteiligt gewesen sein.

 

Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli: Der Tod des IS-Vize- und Finanzchefs wurde von den USA im März nach einer Militäroperation bekannt gegeben. Al-Kaduli, geboren 1957, sei der Verbindungsmann zwischen IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi und regionalen Anführern gewesen.

Tarkan Batiraschwili: Er war als „Omar, der Tschetschene“ bekannt. Der IS verkündete im Juli den Tod seines „Kriegsministers“ bei Kämpfen südlich der Hochburg Mossul im Nordirak. Batiraschwili stammte aus Georgien und gehörte dem engsten Führungszirkel des IS an.

 

Hadschi Mutas: Der Irak-Chef des IS starb vor gut einem Jahr durch einen US-Luftangriff. Auch bekannt unter dem Namen Abu Muslim al-Turkmani oder Fadhil Ahmad al-Hajali bekam er den Titel „Generalgouverneur“.