Klüger nach dem Kindergarten

Politik / 15.09.2016 • 22:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

OECD-Studie zeigt, dass Schüler, die einen Kindergarten besuchten, bessere Mathematiker sind.

Wien. (VN-mip, apa) Bildung zahlt sich aus. Das zeigt die Studie „Bildung auf einen Blick 2016“, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag präsentiert wurde. Wenig überraschend: Je höher der Bildungsstand, desto geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden, und desto höher ist das Einkommen. Höher Gebildete fühlen sich außerdem gesünder. Und wer einen Kindergarten besucht hat, hat ein deutlich geringeres Risiko, später ein schlechter Schüler zu sein. Österreichs Lehrer verbringen weniger Zeit im Unterricht und verdienen mehr, ein Grund, weshalb Österreichs Schulsystem im Vergleich insgesamt teurer ist. Die Ergebnisse:

Bildung durch Kindergarten:

Es zeigt sich ein Zusammenhang zwischen dem Besuch einer frühkindlichen Bildungseinrichtung und dem späteren Leben: Je länger ein Kind einen Kindergarten besucht, desto geringer ist das Risiko, später zu einem Risikoschüler in Mathematik zu werden, selbst wenn der sozioökonomische Hintergrund berücksichtigt wird. Für dieses Ergebnis griff die OECD auf Daten der PISA-Studie zurück. Demnach zählen in Österreich 36 Prozent jener Kinder, die keinen Kindergarten besucht hatten, zur Gruppe der leistungsschwachen Rechner. Bei den Kindern, die höchstens ein Jahr im Kindergarten waren, betrug der entsprechende Anteil 27 Prozent, bei einem längeren Kindergartenbesuch 17 Prozent.

Teures Bildungssystem:

In Österreich wird in allen Schulbereichen mehr Geld pro Schüler ausgegeben als im OECD-Schnitt. In der Volksschule sind es kaufkraftbereinigt 9590 Euro (OECD-Schnitt: 7541), im Sekundarbereich 
13.365 Euro (OECD: 8728). Die Gründe liegen etwa in geringen Klassengrößen (auch aufgrund der vielen Kleinschulen), niedriger Unterrichtsverpflichtung sowie vergleichsweise hohen Lehrergehältern, verbunden mit dem höheren Alter der Pädagogen. In einer Volksschulklasse sitzen hierzulande 18 Kinder, das sind drei weniger als im OECD-Schnitt. Deshalb werden mehr Lehrer benötigt. Ein ähnliches Bild ergibt sich in anderen Schulstufen. Während ein Lehrer zum Beispiel im Sekundarbereich in den OECD-Länden 694 Stunden jährlich vor der Klasse steht, tut er das in Österreich nur 607 Stunden.

Bildung und Gehalt:

Umso besser die Bildung, desto einfacher hat man es im Erwerbsleben, und zwar zunächst einmal beim Umstand, dass es ein solches überhaupt gibt. So betrug 2015 die Arbeitslosenquote in Österreich bei den Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss 19,1 Prozent, bei jenen mit AHS-Matura 7,7 Prozent, bei Personen mit Berufsausbildung (Lehre, BMS) 5,7 Prozent  und bei Hochschulabschlüssen 4,1 Prozent. Auch die Gehaltshöhe steigt mit der Bildung. So erhalten etwa Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss nur 75 Prozent des Einkommens von Personen mit Sekundarabschluss (Lehre, BMS, AHS-Matura).

Bildung ist vererbbar:

In Österreich gelingt ein Bildungsaufstieg vor allem in Richtung Hochschulabschluss selten. 21 Prozent der nicht mehr in Ausbildung befindlichen 25- bis 44-Jährigen, deren Eltern höchstens einen Abschluss im Sekundarbereich zwei (vor allem Matura oder Lehre) haben, schaffen selbst einen Hochschulabschluss; in der OECD sind es dagegen 43 Prozent.

Gesundheit:

Mit höherer Bildung fühlt man sich offenbar gesünder: In Österreich gaben 34 Prozent der 25- bis 44-jährigen Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss an, aufgrund von Gesundheitsproblemen eingeschränkt zu sein. Bei den gleichaltrigen Hochschulabsolventen waren es 13 Prozent. Bei den über 65-Jährigen klagten schon 71 Prozent der Pflichtschulabsolventen über gesundheitsbedingte Einschränkungen, aber nur 42 Prozent der Hochschulabsolventen, was natürlich auch mit der Art der Arbeit zu tun haben kann.

Keine Länderergebnisse

Die OECD erklärt auf VN-Nachfrage, für Österreich keine Bundesländerergebnisse ausgearbeitet zu haben. Schullandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) führt aus: „Die Erhebung ist äußerst umfassend und bedarf erst noch einer genauen Prüfung, um Rückschlüsse ziehen zu können.“ Eines sei jedoch schon festzustellen: „Der Berufsbildung, die besonders in Vorarlberg einen hohen Stellenwert hat, wird ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt. Die Studie betont zudem, wie wichtig die Frühpädagogik für den weiteren Bildungserfolg ist.“

Frühpädagogik ist wichtig für den weiteren Bildungserfolg.

Bernadette Mennel