Guterres nun offiziell als UNO-Chef nominiert

Politik / 06.10.2016 • 22:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der ehemalige UN-Flüchtlingshochkommissar soll dem Südkoreaner Ban Ki-moon nachfolgen.  Foto: AP
Der ehemalige UN-Flüchtlingshochkommissar soll dem Südkoreaner Ban Ki-moon nachfolgen.  Foto: AP

UN-Vollversammlung muss noch über Nachfolger von Ban Ki-moon entscheiden.

new york. (VN) Der frühere Chef des Flüchtlingshilfswerks und ehemalige portugiesische Ministerpräsident António Guterres soll nächster Generalsekretär der Vereinten Nationen werden. Bei einer formellen Abstimmung im Sicherheitsrat bestätigten ihn die 15 Mitglieder nun auch offiziell. Das teilte der russische UNO-Botschafter und derzeitige Ratspräsident Witali Tschurkin am Donnerstag nach einer Sitzung des Gremiums in New York mit. Bereits am Vortag hatte Guterres die meisten Stimmen bei einer Abstimmung erreicht. Damit könnte die UN-Vollversammlung schon kommende Woche über den Nachfolger von Ban Ki-moon entscheiden. In der 70-jährigen Geschichte der Vereinten Nationen hat das 193 Mitgliedstaaten zählende Plenum indes noch nie eine solche Personalie blockiert.

„Lebendiger Intellekt“

„Ich kenne Herrn Guterres sehr gut und halte ihn für eine hervorragende Wahl“, erklärte Noch-Generalsekretär Ban am Donnerstag. Der frühere UN-Hochkommissar für Flüchtlinge habe viel Mitgefühl, die Fähigkeit, rund um die Uhr zu arbeiten, breite Kenntnisse des Weltgeschehens und einen lebendigen Intellekt. Ban gibt sein Amt Ende des Jahres an seinen Nachfolger ab.

Begeistert zeigte sich auch die Regierung in Lissabon: „Guterres war und ist ganz klar der beste Kandidat für den Posten, nicht nur wegen seiner persönlichen Qualitäten, sondern auch wegen seiner Erfahrungen bei den UN“, sagte der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa der Tageszeitung „Expresso“. Außenminister Augusto Santos Silva meinte: „Er wird ein Generalsekretär sein, der als Stimme der gesamten Vereinten Nationen und aller 193 Länder fungiert, die ihnen angehören.“ Durch seine Erfahrung – Guterres war zwischen 2005 und 2015 UN-Flüchtlingskommissar – sei er für den Posten qualifiziert.

Wieder keine Frau

Ebenfalls gute Chancen waren dem ehemaligen serbischen Außenminister Vuk Jeremic sowie dem slowakischen Außenminister Miroslav Lajcak eingeräumt worden. Enttäuscht wurden neben ihnen auch die vielen Fürsprecher einer Lösung, mit der erstmals in der UN-Geschichte eine Frau den Spitzenposten besetzt hätte. Im Gespräch waren dafür
die Vizepräsidentin der EU-Kommission, die Bulgarin Kristalina Georgiewa, sowie die zuvor von der Regierung in Sofia favorisierte bulgarische Unesco-Chefin Irina Bokowa gewesen. Zusätzlich wäre nach den ungeschriebenen Verteilungsprinzipien der UN eigentlich ein Kandidat oder eine Kandidatin aus Osteuropa an der Reihe gewesen.