„Bin überwältigt und sehr dankbar“

Politik / 07.10.2016 • 22:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ich gratuliere Präsident Juan Manuel Santos, den Garantiemächten Kuba und Norwegen und den Partnern Venezuela und Chile, ohne die der Frieden nicht möglich wäre.
              Rodrigo Londoño,
            
              Farc-Kommandant

Ich gratuliere Präsident Juan Manuel Santos, den Garantiemächten Kuba und Norwegen und den Partnern Venezuela und Chile, ohne die der Frieden nicht möglich wäre.

Rodrigo Londoño,

Farc-Kommandant

Nobelpreis für Kolumbiens Präsident Santos lässt für Rettung von Friedensprozess mit Farc-Guerilla hoffen.

OSLO, BOGOTA. Für sein entschlossenes Bemühen, den mehr als 50 Jahre dauernden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden, wurde der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos (65) mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das teilte das Nobelpreiskomitee in Oslo am Freitag mit.

Die Auszeichnung sei auch eine Ehrung für alle Parteien, die zu dem Friedensprozess beigetragen hätten und nicht zuletzt für die Vertreter der zahllosen Opfer. Rund 220.000 Menschen sollen im kolumbianischen Konflikt ums Leben gekommen sein.

In seiner Begründung nannte das Komitee für die Vergabe allerdings nicht ausdrücklich den Anführer der linken Farc-Rebellen, Rodrigo Londono, mit dem Santos die Verhandlungen geführt hatte. Vielmehr hieß es seitens des Komitees, der Preis sei auch Anerkennung für das kolumbianische Volk, welches trotz großer Nöte und Misshandlungen nie die Hoffnung auf einen gerechten Frieden aufgegeben hätte.

Mit Kolumbiens größter Rebellenorganisation Farc hatte Santos’ Regierung Ende September ein Friedensabkommen geschlossen, das jedoch wenige Tage später bei einer Volksabstimmung knapp scheiterte. Santos sucht jetzt in Gesprächen mit der Opposition und der Farc nach einem Ausweg. Nach dem Friedensabkommen sollen Rebellen, die ihre Waffen abgeben und Kriegsverbrechen eingestehen, von einer Gefängnisstrafe verschont bleiben. Für die Farc sollen bis 2026 im Kongress zehn Sitze reserviert werden, um ihren Übergang in eine politische Bewegung zu erleichtern.

Das Nobelpreiskomitee erklärte, die Ablehnung des Abkommens durch die Kolumbianer bedeute nicht, dass der Friedensprozess tot sei. „Das Referendum war keine Abstimmung gegen Frieden“, hieß es. „Was die ,Nein‘-Seite abgelehnt hat, war nicht der Wunsch nach Frieden, sondern ein konkretes Friedensabkommen.“

Für Santos und das Volk

Santos stammt aus einer der reichsten Familien Kolumbiens. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität von Kansas in den USA und öffentliche Verwaltung in Harvard. Später stieg er in das Verlagsgeschäft seiner Familie ein, die lange die größte kolumbianische Tageszeitung „El Tiempo“ kontrollierte. Er war Handels-, Finanz- und Verteidigungsminister. Als Letzterer war er vor zehn Jahren für einen der größten militärischen Erfolge gegen die Farc-Rebellen verantwortlich.

Santos zeigte sich von der Zuerkennung des Friedensnobelpreises nach Angaben der norwegischen Jury überwältigt und sehr dankbar. Es sei früh am Morgen gewesen, deshalb hatte er sich gerade erst den Schlaf aus den Augen gerieben, sagte der Sekretär des Nobelkomitees, Olav Njølstad dem Fernsehsender NRK, nachdem er den Preisträger erreicht hatte. Santos selbst erklärte auf der Facebook-Seite der Nobel-Stiftung, der Preis sei ein großartiger Impuls für den Aufbau von Frieden. Er fühle sich durch die Auszeichnung zutiefst geehrt und nehme den Preis mit großer Emotion entgegen. Den Preis hat er dem kolumbianischen Volk gewidmet, denn dieses habe in diesem Krieg so viel gelitten.

In diesem Jahr waren für den mit acht Millionen Schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotierten Friedensnobelpreis 376 Kandidaten nominiert. Die Verleihung findet am 10. Dezember statt – dem Todestag des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel.

Der Preis ist ein großartiger Impuls für den Aufbau von Frieden.

Juan Manuel Santo
Der Preis ist eine Anerkennung für Santos’ unermüdlichen Einsatz im Friedensprozess seines Landes. Und es ist eine klare Forderung, dass dieser Prozess nicht abreißen darf.
              Christian Kern,
            
              Bundeskanzler Österreich

Der Preis ist eine Anerkennung für Santos’ unermüdlichen Einsatz im Friedensprozess seines Landes. Und es ist eine klare Forderung, dass dieser Prozess nicht abreißen darf.

Christian Kern,

Bundeskanzler Österreich

Der an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santo verliehene Friedensnobelpreis ist eine Inspiration, weiter voranzupreschen, bis in Kolumbien Frieden erreicht ist.
              Ban Ki-moon,
            
              UNO-Generalsekretär

Der an Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santo verliehene Friedensnobelpreis ist eine Inspiration, weiter voranzupreschen, bis in Kolumbien Frieden erreicht ist.

Ban Ki-moon,

UNO-Generalsekretär

Gratulation an Präsident Juan Manuel Santo für den Friedensnobelpreis. Die vom Frieden träumen, denen wird es gelingen, ihn zu schaffen, gegen den Wind und die Sturmflut.
              Federica Mogherini,
            
              EU-Außenbeauftragte

Gratulation an Präsident Juan Manuel Santo für den Friedensnobelpreis. Die vom Frieden träumen, denen wird es gelingen, ihn zu schaffen, gegen den Wind und die Sturmflut.

Federica Mogherini,

EU-Außenbeauftragte

Nobelpreisträger

2016: Juan Manuel Santos, Präsident Kolumbien

2015: Tunesisches Quartett für einen nationalen Dialog, Tunesien

2014: Malala Yousafzai, Pakistan, und Kailash Satyarthi, Indien, beide Kämpfer für Kinderrechte

2013: Organisation für das Verbot chemischer Waffen

2012: EU für 60 Jahre Beitrag zu Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa

2011: Ellen Johnson-Sirleaf, Liberia, Leymah Gbowee, Liberia, und Tawakkol Karman, Jemen, für Kampf zur Stärkung der Frauenrechte

2010: Liu Xiaobo, China, Menschenrechtler

2009: Barack Obama, USA, Präsident

2008: Martti Ahtisaari, Finnlands Ex-Präsident 

2007: Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) und Al Gore, USA

2006: Muhammad Yunus und Grameen Bank, beide Bangladesch, für Vergabe von Kleinstkrediten an Arme

2005: Internationale Atomenergiebehörde und Mohammed ElBaradei, Ägypten

2004: Wangari Maathai, Kenia

2003: Schirin Ebadi, Iran

2002: Jimmy Carter, USA

2001: Vereinte Nationen und Kofi Annan, Ghana

2000: Kim Dae Jung, Südkorea