Heftige Kämpfe nach Feuerpause in Aleppo

Politik / 23.10.2016 • 20:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kämpfer der Rebellenkoalition wollen nun den Belagerungsring um die nordsyrische Stadt Aleppo sprengen.  Foto: reuters
Kämpfer der Rebellenkoalition wollen nun den Belagerungsring um die nordsyrische Stadt Aleppo sprengen. Foto: reuters

Kampfjets und Panzer sind wieder im Einsatz. Syrische Rebellen kündigen Offensive an.

aleppo. Nach dem Ende der Feuerpause in Aleppo sind die Kämpfe in der nordsyrischen Stadt am Sonntag wieder voll entbrannt. Regierungstruppen oder deren russische Verbündeten hätten mehrere Rebellengebiete bombardiert, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in London sitzt und deren Informationen nicht nachprüfbar sind. Zudem gebe es heftige Gefechte entlang einer Front, die für den Belagerungsring der syrischen Soldaten um den von Aufständischen gehaltenen Osten strategisch wichtig sei.

Die neuen Kämpfe dämpften Hoffnungen, die notleidende Bevölkerung mit Hilfsgütern versorgen und Verwundete aus der Stadt bringen zu können. Dafür wollten die Vereinten Nationen die Waffenruhe nutzen.

Waffenruhe eingehalten

Die Feuerpause war von Russland am Donnerstag einseitig für elf Stunden ausgerufen worden und jeweils täglich bis Samstag verlängert worden. Auch wenn nachts weiter gekämpft wurde, hatte die offizielle Waffenruhe bis Samstagabend weitgehend gehalten. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden wieder Luftangriffe auf den Südwesten der Stadt geflogen.

Aufständische nahmen ihrerseits laut der Beobachtungsstelle das von Regierungstruppen gehaltene Viertel Hamdaniya unter schweren Beschuss. Die Rebellenallianz FSA (Freie Syrische Armee) forderte die Bewohner von Aleppo bereits am Samstag auf, sich zu ihrer eigenen Sicherheit von Einrichtungen der Regierungstruppen fernzuhalten. Die FSA bereite nämlich einen Großangriff auf den Belagerungsring um Ost-Aleppo vor.

Jasser al-Jussef, ein Sprecher der Rebellenfraktion Nur al-Din al-Sinki Aleppo, teilte mit, dass eine Operation bevorstehe, um die Belagerung der Ostviertel durch die Regierungstruppen zu durchbrechen. Rebellen würden keine Zivilisten in den Regierungsbezirken Aleppos angreifen, sagte Jasser al-Jussef.

Hauptkriegsschauplatz Aleppo

Aleppo war einst die größte Stadt Syriens. Weil sich hier Rebellen und Regierungstruppen direkt gegenüberstehen, ist sie zum Schauplatz der heftigsten Kämpfe in dem jahrelangen Bürgerkrieg geworden. Russland und die syrische Armee hatten Bewohner und Aufständische aufgefordert, Ost-Aleppo während der Feuerpause zu verlassen. Dem scheint kaum jemand nachgekommen zu sein. So ist die Lage der verbliebenen Bewohner katastro­phal.

Keine Versorgung möglich

Die UN erklärten, sie hofften weiter auf eine Chance zur Versorgung der Bevölkerung. Während der Feuerpause hätten sie, laut UN-Vertreter, aufgrund fehlender Sicherheitsgarantien und Unterstützung die Bedürftigen nicht erreichen können. Die syrische Regierung hielt dem entgegen, sie habe längst grünes Licht gegeben und auch Busse und Krankenwagen bereitgestellt. Aber Angriffe von Rebellen auf die ausgewiesenen Wege behinderten die Transporte. Die Aufständischen hatten die Feuerpause nicht akzeptiert. Sie sahen darin lediglich einen Versuch der Regierung von Präsident Bashar al-Assad, die Stadt von politischen Gegnern zu entvölkern.

Syrien, Russland, USA

Eine Lösung des Syrien-Konflikts, der auf einen Aufstand gegen Assad zurückgeht, wird auch durch die Differenzen zwischen Russland und den USA erschwert. Während die Moskauer Regierung hinter Assad steht, unterstützen die USA gemäßigte Rebellen in ihrem Kampf gegen die Führung in Damaskus.