Clinton wählt die Offensive

Politik / 01.11.2016 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kurz vor der US-Wahl befindet sich Trump im Aufwind. Allerdings werden auch gegen ihn neue Vorwürfe laut.  Foto: AP
Kurz vor der US-Wahl befindet sich Trump im Aufwind. Allerdings werden auch gegen ihn neue Vorwürfe laut.  Foto: AP

Demokraten reichen Klagen gegen Trump ein. FBI halte zudem Dokumente zurück. 

Washington. Erschöpft, gespalten und aufgewühlt gehen die USA in die letzten Tage vor ihrer Wahl. Wenn in der Nacht zum 9. November (Ortszeit) die Nachfolge von Barack Obama geklärt sein wird, ist der heftigste und ungewöhnlichste Wahlkampf der US-Geschichte zu Ende. Eigentlich schien die Wahl schon fast entschieden. Alles sprach für die Ex-Außenministerin und frühere First Lady. Dann kam der Donnerschlag, elf Tage vor dem Urnengang. Das FBI brachte ihren E-Mail-Skandal wieder nach vorne auf die Agenda. Wie sich das auswirken wird, weiß niemand. In einer Umfrage des Senders ABC und der Washington Post allerdings lag Clintons republikanischer Konkurrent Donald Trump zum ersten Mal seit Mai wieder vorne.

Gegenseitige Vorwürfe

Dementsprechend heftig setzte sich der Wahlkampf auch am Dienstag fort. Die Kandidaten warnten vor dem jeweils anderen. Clinton porträtierte den Immobilienmilliardär Trump bei einem Auftritt in Ohio als dünnhäutigen Narzissten, der allein aus verletzter Eitelkeit einen Krieg anzetteln könnte. Trump stellte Clinton bei einer Rede in Michigan als Gesetzesbrecherin dar, deren Präsidentschaft in einem Strudel von Ermittlungen untergehen würde. Er kündigte an, als Präsident einen Sonderermittler auf Clinton anzusetzen. Seine Vorwürfe zielen auf ihren Umgang mit ihren Dienst-E-Mails in ihrer Zeit als Außenministerin ab.

Der Fall hatte neue Dynamik gewonnen, als der Chef der Bundespolizei FBI kürzlich neue Untersuchungen in der Angelegenheit ankündigte. Das Wahlkampfteam von Clinton wirft FBI-Chef James Comey, der Republikaner ist, vor, zugunsten Trumps zu handeln und bewusst Richtlinien des US-Justizministeriums verletzt zu haben.

In Bedrängnis ist Clinton aber nicht nur wegen des FBI geraten, sondern auch wegen der ständigen Enthüllungen der Internetplattform Wikileaks, die Zugriff auf interne E-Mails ihres Wahlkampfchefs bekommen hat. Wikileaks veröffentlichte am Montag vertrauliche E-Mails von Parteistrategen, die den Verdacht nahelegen, dass Clinton bei TV-Debatten im Vorwahlkampf im Voraus über anstehende Fragen informiert worden sein könnte.

Russische Einmischung?

Während Trump die Skandale „als Geschenk“ begrüßt, munitionieren sich die Demokraten weiter gegen ihn auf. Sie reichten Klagen in Ohio, Pennsylvania, Nevada und Arizona wegen Wählereinschüchterung ein. Diese vier Staaten spielen bei der Wahl eine Schlüsselrolle. Hintergrund der Klagen sind Appelle Trumps an seine Anhänger, in bestimmten Gegenden als „Wahlbeobachter“ aktiv zu werden. Das Team von Clinton befürchtet, dass er mit solchen Aufrufen Angehörige von Minderheiten einschüchtern und sie von der Stimmabgabe abhalten könnte.

Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook verwies außerdem auf einen CNBC-Report, wonach FBI-Chef Comey Informationen über „enge Bindungen und Absprachen zwischen Donald Trump, seinen Spitzenberatern und der russischen Regierung“ zurückhalte. Comey solle erklären, warum er Clinton und Trump nach verschiedenen Maßstäben behandle. Eine offizielle Bestätigung des CNBC-Reports gibt es noch nicht.

Stellt euch Donald Trump vor, wie er uns in den Krieg stürzt.

Hillary Clinton